Archiv des Autors: Erich Ledersberger

Das Attentat, Satz 13 – 16

Die aus dem Nebenzimmer herbeieilende Krankenschwester gab allerdings zu bedenken, dass sie solche Laute nie zuvor gehört hatte. Die Mutter dachte sofort an die großen Opernhäuser dieser Welt, in denen ihr Kleiner Karriere machen werde. Noch war es nicht so weit.

Die Kleinkinderjahre vergingen wie im Flug. Der kleine Hartmut schlief, so viel und so lange er konnte, damit er die Töne seiner Mutter nicht hören musste.

 

Zitat aus:
Ich bin so viele

Das Attentat, Satz 10 – 12

„Jetzt schläft er“, flüsterte die Mutter dann beseligt, denn es war klar, dass das Kind ein Junge würde.

Der Tag rückte näher, an dem der kleine Hartmut aus dem mütterlichen Paradies vertrieben wurde. Von einer Hausgeburt sahen die Eltern vernünftigerweise ab, denn die Mutter war in jenem Alter, in dem selbst stundenlanges Bodenbeckentraining und gemeinsames tiefes Atmen und Hecheln mit dem werdenden Vater nicht alle Gefahren für Leib und Leben ausschließen konnten. Wie jedes Neugeborne brüllte auch Hartmut wie am Spieß, als er das wohlig-warme Nest verlassen musste.

 

Zitat aus:
Ich bin so viele

Das Attentat, Satz 6 – 9

Unter diesen erwartungsvollen Bedingungen wuchs Hartmut auf. Bereits im Mutterbauch wurde er von der Sopranstimme der Mutter beschallt, damals noch weitgehend wehrlos.

Sein heftiges Strampeln wurde als Freudentaumel interpretiert, worauf seine Mutter noch lauter zu singen begann. Irgendwann wird auch der kräftigste Embryo müde und ruhig.

Zitat aus:
Ich bin so viele