Freunderlwirtschaft

Ein GANZES Telefon

Ein GANZES Telefon

Natürlich könnte ich, wie jeder ehrliche Bürger, mich über die derzeitige politische Situation in Österreich erregen. Ich möchte den Dingen genauer auf die Spur kommen.

Herr Wöginger verhalf als Klubobmann der ÖVP einem befreundeten Finanzbeamten zu einem Posten, für den eine Bewerberin besser geeignet gewesen wäre.

 

 

Nun also als nächster Einzelfall:
Der Wirtschaftskammerpräsident von Wien, ebenfalls ÖVP, hat mehreren seiner Familie gute Posten verschafft.

Nichts Neues in Österreich

Als ich Ende der 1980er Jahre von Bonn nach Wien zurückkehrte, bezog ich erstmal eine Substandardwohnung. Mehr konnte ich mir nicht leisten. Ich war gerade Alleinerzieher geworden und sah darüber hinweg, dass die Wohnungsmiete dem Gesetz widersprach.

Hauptsache, ich hatte ein Dach über den Kopf. Also über unsere Köpfe. Meine zweijährige Tochter zog nämlich mit mir nach Wien. Ich brauchte dringend ein Telefon, weil ich damals als freiberuflicher Autor für deutsche und Schweizer Radiostationen tätig war.

Ein Telefon war damals – 1987 – in Wien allerdings ein Luxusgut ähnlich einem Trabi in der DDR. Ich müsste mich, lautete die Antwort, bloß ein paar Monate (bis einige Jahre) gedulden, dann würde das Telefon ruckizucki kommen.

Das Viertel-Telefon

Es war jene Zeit, in der es noch sogenannte Viertel-Telefone gab. Vier Kunden samt Kundinnen teilten sich eine Telefonleitung. Das bedeutete, wenn eine/r telefonierte, mussten drei andere bis zum Ende des Gesprächs warten.

Die Maklerin, die mir die Wohnung vermittelt hatte, riet mir:
Wenn Sie dringend ein Telefon brauchen, müssen Sie zu Ihrem Betreuer gehen. Oder zu Ihrer Betreuerin. Je nach Geschlecht bringen Sie eine Stange Milde Sorte (eine österreichische Zigarettenmarke) oder eine große Bonboniere mit.

Ich war sprachlos.
Das kann ich nicht, antwortete ich. Gesetzesübertretungen sind mir nie gut gelungen.

Sie antwortete:
Wollen Sie ein Telefon oder wollen Sie keines?

Ich dachte einige Tage nach und entschloss mich schließlich, ihrem Rat zu folgen. In der Postzentrale – damals hatte die Post ein Monopol auf Telefonleitungen – stellte ich fest, dass mein Betreuer ein Mann war.
Ich begann zu schwitzen.
Sollte ich tatsächlich?
Und wie macht man das?
Lege ich die Stange Zigaretten auf den Schreibtisch?
Verliere ich sie achtlos beim Rausgehen?
Schicke ich sie per Post?

Gehen Sie einfach hinein und geben Sie ihm die Stange Zigaretten, hatte meine Maklerin gesagt.
Irgendwie schaffte ich es tatsächlich, kaufte in der Trafik (österreichisch für Kiosk) das gewünschte Salär und trug meinem Betreuer mein Ansinnen vor.
Möglichst dezent schob ich die Stange Milde Sorte auf den Schreibtisch. Mein Betreuer nahm sie ohne zu zögern und wie selbstverständlich entgegen, öffnete eine Schublade seines Schreibtisches und schob die Stange Zigaretten hinein. Es befanden sich darin, wie ich kurz beobachten konnte, viele Stangen Zigaretten.
Es entstand nicht der Hauch einer Peinlichkeit.

Eine Woche später kam ein Mann von der Post und ich hatte einen ganzen Telefonanschluss für mich, keinen Viertelanschluss.
Der Mann schraubte an diversen Kästchen und fragte mich erstaunt:
Haben Sie Protektion?
Ich verneinte überzeugend.
Offensichtlich blieb die Bestechung in der Verwaltung hängen. Der Arbeiter hatte nichts davon, abgesehen vom großzügigen Trinkgeld, das ich ihm freudigen Herzens überreichte.

Diese Zeiten sind vorbei.
Also auf den unteren Ebenen.
Damals ging selbst die Ausstellung eines Zulassungsscheines für ein Auto schneller, wenn man in sein Ansuchen einen 20-Schilling-Schein steckte.
Diese Einkommensquelle ist heute versiegt.
Weiter oben offenbar nicht.
Dort geht es noch immer lustig, im Sinne der Einkommen, zu.

Keine Ahnung!

Der Präsident der Wiener Wirtschaftskammer (ÖVP) soll Familienmitglieder in wichtige Posten gehievt haben. Genaueres kann frau und mann hier nachlesen.

Auch der ehemalige Innenminister der Republik, Dr. Ernst Strasser (ÖVP), wollte sich über jährlich 100.000 Euro Zusatzgehalt freuen. Er war EU-Abgeordneter mit einer Entschädigung von kargen ca. € 8.000 pro Monat, dazu diverse Spesen und Geld für die Personalausstattung.
Er kam finanziell kaum über die Runden.

Da fragten ihn zwei Lobbyisten, ob er sich für ihre Sache einsetzen könnte. Ihm winkte dafür ein Taschengeld von besagten € 100.000 pro Jahr. Der ehemalige österreichische Minister sagte freudig zu.
Leider waren die Lobbyisten Journalisten und veröffentlichten die Sprachprotokolle in der ‚Sunday Times‘.

MERKE!

Traue keinem Lobbyisten. Er könnte ein Journalist sein.
Der Ex-Innenminister wurde zu vier Jahren Haft verurteilt.

Finanzminister Grasser (ÖVP) privatisierte 2004 60.000 Bundeswohnungen im Rahmen einer Versteigerung. Ein Immobilienunternehmen bot etwa eine Milliarde Euro, eine andere um eine Million mehr.

Es gab den Verdacht, der ‚Sieger‘ verfügte über Insiderwissen. 2025 wurde der Ex-Finanzminister rechtskräftig verurteilt.

Herr Grasser saß also einige Zeit im Gefängnis. Allerdings verklagt nun jenes Immobilienunternehmen, das beim Versteigerungsverfahren unterlag, die Republik Österreich. Es sei ihm ein Schaden von zwei Milliarden Euro entstanden.
Ein korrupter Finanzminister kann die Steuerzahler ganz schön viel Geld kosten!

Auch der ehemalige Bundeskanzler Kurz, der Messias gläubiger ÖVP-Wähler, wurde verdächtigt, Umfragen auf Steuerzahlerkosten zu fälschen, damit er in der Öffentlichkeit als Retter der Konservativen dastehen konnte. Wer den Überblick über laufende Prozessverfahren hat, bitte melden!

Geschichten wie diese ähneln dem des US-Präsidenten, allerdings im Zwergerlformat. Macht nichts, auch so kann die Familie Geld anhäufen, wenn auch nicht in Trumpschen Dimensionen.

Dagegen war meine Investition – eine Stange Milde Sorte – zwar ebenfalls kriminell oder korrupt, aber eine Kleinigkeit im Gegensatz zu Politikern, die sich statt um das Wohl des Volkes lieber um ihr eigenes Wohl kümmern.

Es muss ein Ruck durchs Land gehen!

Das forderte vor einigen Jahren der deutsche Bundespräsident Herzog.
Der kannte den Obmann der Wiener Wirtschaftskammer Ruck nicht. Dieser soll, wie bereits erwähnt, Postenschacher, also Freunderlwirtschaft, betrieben haben, was selbstverständlich nicht der Wahrheit entspricht.
Und zwar im Schweizerhaus bei einer Stelze. Einen besseren Ort findst du nicht.

Weitere Unwahrheiten (?), die im profil und der Kronenzeitung veröffentlicht worden waren, betreffen Rucks Verhältnis zu Frauen und zu Kollegen aus der ÖVP.
„Zitate wie ‚Die ÖVP spielt eh keine Rolle‘ werden berichtet …. Nun aber soll er laut den Protokollen selbst davon gesprochen haben, wie er Familienmitgliedern Posten zugeschanzt habe. Ruck soll auch die Kandidatur eines seiner Söhne für die Wien-Wahl im vergangenen Jahr ermöglicht haben.“ (profil)

Wenn ein rechtschaffener Mann in Not ist, springt, naja, sitzt ihm ein anderer Mann zur Seite, der Wiener Bürgermeister.
Er kenne ihn anders, nämlich als „umsichtigen und vertrauensvollen Gesprächspartner“.

Na dann!
Wird schon nicht so schlimm sein.

PS: Der anfangs angeführte Ex-Klubobmann Wöginger kandidiert am 5. September 2026 wieder als ÖAAB-Obmann.

PPS: Ein Ruck ging sogar durch Ruck – er trat zurück. Wer Österreich kennt, weiß: Dazu braucht es eine große Menge an Freunderlwirtschaft.

Der konsequente Mr. Trump

Neulich habe ich ein interessantes Interview in der ZEIT vom 5. Juni 2026 gelesen.
Polly Toynbee interviewte 1988 Mr. Trump, damals ein eher windiger Geschäftsmann.

Die #ZEIT erinnerte an dieses Gespräch.

 

 

Trump hatte immer einen Plan

In weniger als einer Stunde hatte die Journalistin von Donald Trump erfahren, wie seine Aktivitäten 38 Jahre später aussehen könnten. Etwa, dass unser Donald sich schon damals vorstellen konnte, Präsident der USA zu werden.

1988 kam Donald nach Europa, um für sein Buch – geschrieben von ihm und einem Ghostwriter namens Tony Schwartz – zu werben. Es hieß ‚Die Kunst des Erfolgs‘ und war in den USA ein Bestseller.

Donald hielt es für das beliebteste Buch der Welt, knapp nach der Bibel. Einer seiner Tipps lautete schon damals: Keine Angst vor Übertreibungen!

„Menschen wollen glauben, dass etwas das Größte, das Beste und das Spektakulärste ist, so Trump in seinem Buch.“

Außerdem werde es Krieg geben mit dem Iran. Donald wurde konkret:
„Am liebsten würde ich die Öl-Verlade-Insel Kharg besetzen“, hatte er damals zur Interviewerin gesagt“ Denn der Iran hatte die Amerikaner geschlagen und aussehen lassen wie einen Haufen Narren“.
Womit er wohl die Geiselnahme in der US-amerikanischer Botschaft 1979 meinte.

Die Prophezeiung von Frau Toynbee lautete 1988:
„Donald Trump ist New York: Glitzer, Gier und von einer so kolossalen Ambition, dass sie wahrscheinlich niemals ruhen wird, bis er die Welt beherrscht – was er eines Tages durchaus könnte.“

Sein Antrieb ist gespeist aus Macht, Gier und – Scham! Die USA würden nämlich von anderen Ländern verachtet, herumgeschubst und lächerlich gemacht.
Die USA seien Opfer.
Ich vermute, er meinte das damals so ernst wie heute.

Der Rächer ist da!

Was damals niemand für möglich gehalten hatte, ist heute Wirklichkeit. Trump droht dem Iran immer wieder, jene oben erwähnte Insel Kharg zu besetzen. (Allerdings braucht er dazu Bodentruppen, was seine Beliebtheitswerte noch tiefer sinken lassen würden.)

Sein „Kriegsminister“ #Hegseth ist für solche Abenteuer Feuer und Flamme. (Neulich befand er, dass, wenn es nach ihm gegangen wäre, man die Insassen von Guantanamo sofort erschossen hätte.)

Das Bildungsministerium wurde abgeschafft und der Gesundheitsminister ist ein Verschwörungstheoretiker. Seinen „Erkenntnissen“ zufolge verursachen Impfungen zum Beispiel Autismus, Krebs und Masern.

Wir haben es offensichtlich mit einer Truppe lachhafter, mächtiger und skrupelloser Männer zu tun. Polly Toynbee fasst es in der #ZEIT so zusammen:

„Aus Trumps Widersprüchen ergibt sich eine komplexe Persönlichkeit, findet Toynbee noch heute. ‚Er ist ein höchst monströser Mann und doch kein flacher Charakter‘. Er mag primitiv in seiner Ausdrucksweise sein, aber nicht in seinen Unterströmungen. … Sein Wahnsinn hat Methode. … Er ist einfach zu beobachten – und schwer zu verstehen.“

Was leider bisher kein bisschen dabei hilft, seine Politik zu verhindern.

PS: Trump hat soeben seinen 80. Geburtstag gefeiert und den Großangriff auf den Iran wieder einmal auf später verschoben.
Aber dann!!!

 

 

 

Die Irren sind (noch) über uns

Die Irren über uns

Die Irren über uns

In den 1950er Jahren gab es einen interessanten Film mit dem Titel:
Die Mörder sind unter uns.
Der Regisseur hieß Wolfgang Staudte und es ging um alte Nazis, die unerkannt und friedlich im Deutschland nach dem Krieg lebten.Im neuen Jahrtausend leben die Irren über uns: Trump, Netanjahu, Putin, Khamenei etc

 

 

Im Namen Gottes – oder so

„Zwei Dinge sind unendlich: die Dummheit der Menschheit und die Unendlichkeit des Alls. Beim All bin ich mir noch nicht sicher.“

Diese Aussage stammt angeblich von Einstein und trifft jedenfalls den Zustand der menschlichen Vernunft bestens.
Das Volk verblödet.
Bei #Putin und #Khamenei kann man als Entschuldigung anführen, dass die beiden in einer Diktatur herrsch(t)en, bei #Trump, #Netanjahu und #Bolsonaro (inzwischen hinter Gittern) wird es schwieriger.

Die wurden vom Volk gewählt!

Die Mehrheiten dieser Länder entschieden sich für (An)Führer, die entweder blitzgescheit oder … nicht so gescheit sind. Der eine Führer heißt #Netanjahu, der andere #Trump.

Diese Erkenntnis trifft auf #Netanjahu nur teilweise nicht zu. Er weiß, was er tut. Vielleicht weiß das sogar #Trump. Falls er es nicht vergessen hat. Beiden geht es um Geld und Vermögen.

Vermögen meint hier vor allem, dass diese Männer alles vermögen können, was ihnen in den Sinn kommt.
Und dieses Vermögen machen sie zu Geld.

#Gaza besetzen? Zölle bestimmen? Kein Problem, wenn man nur schlau genug ist. Ob die Aktionen etwas bringen, ist zu bezweifen. Womöglich kehren sie als Bumerang zu den Werfern zurück.

Noch ist es nicht so weit.

Noch diskutieren demokratische Staaten, wie sie #Trumps permanente Kehrtwendungen in den Griff bekommen können.
Und politisch Engagierte versuchen, die Morde in Israel und dem Gazastreifen in eine ausgewogene Theorie zu integrieren.
Faschismus oder Notwehr?
Terror oder Befreiungskampf?
Genozid oder Völkermord?

Den Toten ist es gleichgültig, woran sie gestorben sind.
Sie sind einfach tot.
Die Betroffenen kommen bekanntlich selten zu Wort.
Vor allem, wenn sie tot sind.
Sie stören höchstens die komplizierten Argumentationslinien der hiesigen „Intellektuellen“, die bekanntlich über alles Bescheid wissen, vor allem, wenn die Fakten weit weg sind.
Wer ihren Sätzen folgt, hat als Ergebnis meistens Kopfschmerzen.

Wenige Erkenntnisse. Von Ausnahmen abgesehen!
Etwa Dokumentationen wie diese, die den Aufstieg der Faschisten in Israel zeigen.
Ja!
Auch Israel hat seine Faschisten
. Die sind kein Privileg des Westens.

Ich erinnere mich an eine Stelle in dem Buch eines (jüdischen) Autors, der ungefähr meinte:
„Solange wir Juden keine Mafia und keine Kriminellen haben, werden wir nicht anerkannt werden.“
Das war ironisch gemeint, aber nun haben sie sogar einen Faschisten als Innenminister in Israel!

Im Osten blicken Irre auf das Volk hinunter und streiten darüber, wem Gott welches Land geschenkt hat. Der demokratische Gottesstaat Israel oder der autoritäre Gottesstaat Iran:
Welcher Gott hat Recht?

Im Westen blicken Verrückte auf die Wirtschaft und ihr Wachstum. Sie haben auch einen Gott – und der heißt Kapital. Ihm unterwirft sich das Volk ergeben wie im Osten #Jahwe und #Allah.

Da und dort grummelt es. Frauen im Iran, früher Persien, werfen ihre Schleier ab. Nur mehr 30 Prozent der Menschen dort sind gläubige Muslime.

In #Israel wehrt sich etwas, das in den Medien #Zivilgesellschaft genannt wird, gegen die Abschaffung der Demokratie.

In Brasilien sitzt Bolsonaro in Haft oder darf nur mit Fußfessel nach Hause.
In Ungarn gibt es Widerstand gegen das Verbot der Pride-Parade.
Orban wurde abgewählt.
Davon träumen die Völker andernorts.

Aber wer weiß?
Vielleicht sind in naher Zukunft Trump, Putin, Khamenei II (so er noch lebt) Vergangenheit?

Wir dürfen hoffen!