G‘scheitsein nervt

Nervender Gscheitling

Nervender Gscheitling

Ich habe den täglichen Brief von Armin Thurnher abonniert.
Jeden Morgen bekomme ich nun eine Nachricht von ihm. Keine Ahnung, wie der Mann das macht. Ich habe mal eine wöchentliche Kolumne geschrieben. Das war harte Arbeit. Aber täglich? Das kann kein Vergnügen sein!

 

 

G‘scheitsein nervt

Ich gestehe: Seine Texte sind brillant, angenehm zu lesen und gescheit.

Aber: Auf Dauer nervt G‘scheitsein ungeheuerlich. Ständig beschreibt der Mann die Gegenwart mit ihren schrecklichen Geschehnissen. Österreich ist eine Boulevardrepublik, das perverseste Gericht der Welt heißt Schnitzel, dazu Berichte über Covid und andere Grauslichkeiten.

Stimmt ja alles, was er schreibt: Das von Kickl propagierte Entwurmungsmittel für Pferde hilft nicht gegen Covid, Impfstoffe sind sicher, Edtstadler beleidigt unsere Intelligenz und das Ende der Wiener Zeitung ist ein Skandal von Grün-Schwarz.

Aber muss ich das jeden Tag lesen?
Stellen wir uns einen Bauarbeiter vor, der dieser Tage bei 35 bis 45 Grad Celsius auf der Autobahn oder bei einem Neubau schuftet. Daheim angekommen startet er eine Nachrichtensendung und bekommt mitgeteilt, dass der Juli der heißeste Monat seit Menschengedenken ist.

Das weiß er bereits! Ein Wunder also, dass er seinen Fernseher nicht auf der Stelle zertrümmert. Glücklicherweise kann er per Fernbedienung umschalten und sich auf RTL etwa „Big Bounce – Die Trampolin Show“ ansehen.
Das entspannt und lenkt ab von den Katastrophen der Gegenwart.

Unser bester Kanzler aller Zeiten, der Nehammer, hat das so beschrieben:
„So, wie da der Untergang skizziert wird und behauptet wird, dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis.“ Und außerdem ist es ganz, ganz schlecht, immer nur Angst zu machen.

Stimmt! Dem Bauarbeiter reicht es, wenn an seinem Arbeitsplatz Temperaturen wie am Äquator herrschen. Und ich verstehe ihn!
Wenn die Welt auch kaputtgeht, muss ich darüber ständig informiert werden?

Lasst uns doch in Ruhe mit den ständig schlechten Nachrichten, erzählt uns irgendein Märchen.
Etwa, dass ohnehin alles bestens ist und wir bloß ein bisschen Richtung Norden auswandern müssen. Dort blühen die Weinreben und sogar der robuste Roggen gedeiht dort bestens.
Wir werden weiterleben, bei Wein und Roggenbrot.

Schon ein gewisser Herr Rowohlt hat seinen Autor, Kurt Tucholsky, aufgefordert, mehr Positives zu schreiben. Der plagte sich redlich und schied während der Herrschaft der Nazis freiwillig aus dem Leben. Auch Frau Kassandra, die, wie die meisten Wissenschafter heute, bereits damals die Zukunft vorhersagte und in ihr meistens nur Schlechtes sah, scheiterte. Eine Ehefrau, die ihren Mann ermordete, tötete sie, weil sie auch dieses Ereignis vorhergesagt hatte.

G’scheitsein ist letztlich tödlich, so lautet die Botschaft.

Darum werde ich versuchen, in Zukunft nicht mehr über österreichische Politik zu schreiben. Nur mehr über die schönen Dinge in der Welt.