Kunst im Alltag

Plastik vor Bergkette

Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, begegnet ihr auf Schritt und Tritt: der Kunst im Alltag. Unauffällig und fernab staatlicher und privater Subventionierung weist sie, wie im vorliegenden Beispiel, auf den Kontext zwischen Natur und Kultur hin. Die abgebildete Installation visualisiert diese Interaktion auf schamlose Weise, denn unversehens wird die Relevanz der Müllabfuhr deutlich.

Die Kohärenz von Aludosen und Alufolien mit der subtil eingebauten Gurke wird virulent, der Kontext mit den Alpen als Überbau transzendiert das Werk vom Realistischen ins nahezu Abstrakte. Phänomenologisch betrachtet haben wir es mit einer radikalen, materialistischen Kritik der Vernunft zu tun, dargestellt als Code einer Gesellschaft, die den eigenen Untergang ritualisiert, indem sie den Paradigmenwechsel von christlicher Religion — links im Bild —  zu Wachstumsreligion — in der Zentralperspektive — als Fortschritt mystifiziert.

Die Exkremente der Industriegesellschaft wachsen, einem Karzinom gleich, aus öffentlichen Gefäßen, streben, gotischen Kathedralen gleich, dem Himmel zu: grandiose Plastiken im doppelten Sinn des Wortes.

Schon morgen kann diese Inszenierung verschwinden, die RAMisierung der Kunst schreitet voran. RAM, auch als Arbeitsspeicher bekannt, ist jener Teil des Computers, in dem Arbeitsprozesse ablaufen. Sein Inhalt verschwindet spurlos, sobald der Computer abgeschaltet wird. So ergeht es auch der Kunst — sie generiert sich mitten unter uns, ist für erhellende Augen-Blicke da und löst sich danach auf. Dieses Schicksal teilt sie übrigens mit der Welt. Nur mehr eine Milliarde Jahre, berechneten Wissenschafter, dann ist es für menschliches Leben hier viel zu heiß. Und auch für die Kunst.

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