Archiv des Autors: Erich Ledersberger

Alles normal!

Nach Jahren der Entbehrung, des Hungers und des Durstes, ist in der zivilisierten Welt endlich alles in Ordnung.

Also NORMAL!

Einem gemütlichen Urlaub steht nichts mehr im Weg.

 

Was ist schon normal?

Wenige Wochen nach Beginn der Corona-Epidemie gröhlte die Tiroler Hotelbesitzerin des „Schwarzen Adlers“ und der „Adlers Design Lounge“  den legendären Satz in die Unsozialen Medien: „Mein Immunsystem leidet am meisten, wenn ich keine Party habe.“

Die Betrachter des Beitrags ahnten damals schon: Der Hausverstand ist eine Erfindung gutmeinender Esoteriker. Allerdings hofften sie, das wäre ein Minderheitenproblem. In der Zwischenzeit wurden sie eines Besseren belehrt.

„Die“ Wirtschaft, wer immer das ist, freut sich nämlich über etwas, das sie Normalzustand nennt. Auf Flughäfen stauen sich Menschenmassen, dicht an dicht gereiht, und wollen weit fort. Etwa nach Thailand oder, manche sind bescheidener, auf Mallorca.

Pandemie hin, Corona her, sie sind lustig bis zum Kotzen. Das erledigen sie am so genannten Ballermann-Strand oder auf anderen Inseln.

Raiffeisen bietet zum Beispiel „den Sommer 2022! – An den schönsten Stränden Europas machst Du die Nacht zum Tag und sagst „Adieu“ zum Lernfrust und Stubenhockerei! Feiere mit anderen Maturanten und Deinen Freunden mit leckeren Drinks, Essen, Sonne, chillen, Strand und Meer.

„Was wir Euch bieten können? – Traumhafte Partylocations, lässige DJs, exklusive Hotels mit sagenhaften Poolanlagen und erstklassige Ausflüge. Das ist Deine Maturareise 2022.

Egal ob Du in Frankreich Surfen willst, Du Dich durch die Clubs Calellas feierst oder die Seele auf Kreta und Rhodos baumeln lässt, bei uns findest Du DIE perfekte Partyreise oder wundervolle, entspannende Reise für Dich und Deine Freunde!“

Im Klartext: Saufen ohne Ende!

Vor einigen Jahren war ich auf Zakynthos, an einem wunderbaren Ort im Süden der griechischen Insel. Manchmal allerdings wünschte ich mir schwere Waffen der deutschen Bundeswehr, um Schiffe vor der Insel zu versenken. Die waren kaum sichtbar, aber hörbar. Mit schweren „BUMM-BUMM-Geschoßen“ aus riesigen Lautsprechern bombardierten sie uns. An Gegenwehr war nicht zu denken, die Feinde waren zu weit weg.

Auch normal

Nach der Erfindung des Autos war der Tourismus die zweite schlechte Nachricht für die Natur. Seit etwa einem Jahrhundert fahren Menschen im Namen der individuellen Freiheit auf vier Rädern durch die Gegend, seit einigen Jahrzehnten dröhnen sie per Flugzeug in entfernte Länder. Das alles im Namen der Wirtschaft und ihres Wachstums.

Weder Klimaerwärmung noch ihre Folgen konnten den Irrsinn bremsen, einzig ein Virus ließ die Erde kurz aufatmen. Allerdings, kaum verringerte sich die Anzahl der Toten, schon freute sich „die“ Wirtschaft auf neue Gewinne.

Leider brachte der Irre aus dem Osten wieder alles aus dem Gleichgewicht, indem er in die Ukraine einmarschierte, aber die ist bekanntlich weit weg. Und so geht es weiter in die „Normalität“:
Gedränge auf den Autobahnen und in den Flughäfen, um wenige Euros in ferne Länder und billiges Saufen aus Melonen.

Depp, was willst du mehr?

Einen schönen Sommer, nicht allzu weit entfernt vom Wohnort,
wünscht allen
euer/Ihr
Erich Ledersberger

Tagespresse eingestellt!

Endlich in der Privatwirtschaft!Jahrelang hat das Team der Tagespresse unglaubliche Wahrheiten erfunden. Nun ist Schluss damit!

Resigniert geben die Macherys auf. „ÖVP und FPÖ machen unser Geschäftsmodell kaputt.“

 

 

Kündigung vergessen – 11 Millionen weg!

Bildungsminister Polaschek (ÖVP) hat angeblich vergessen, den Vertrag mit einem (Corona)Testanbieter zu kündigen.  Nach ÖVP-Wahrheit kann man das nicht Vergessen nennen, sondern die verspätete Kündigung sei auf die Lockerungsschritte zur Maskenpflicht zurückzuführen. Oder so ähnlich. Jedenfalls habe man „alles richtig gemacht“.

Nur 10,7 Millionen gab die Regierung im ersten Quartal 2022 für PR-Aktionen aus, besonders spendierfreudig waren Bundeskanzleramt (ÖVP) mit 3,8 Millionen, Umweltministerium (Grüne) mit 2,3 Millionen und Innenministerium (ÖVP) mit 1,5 Millionen.

Nahezu günstig dagegen die Abschiedsfeier für die Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich, ÖVP: 50.000 Euro Mitgliedsbeiträge nahm die Wirtschaftskammer für 90 geladene Gästys in die Hand, inklusive Video- und Buchproduktion.

Gratis war sogar die Lobeshymne des Finanzministers Brunner (ÖVP) in einer Vorarlberger Zeitung, die er als Staatsminister verfasste. Seltsamerweise hat er den in Ich-Form geschriebenen Text gar nicht selbst verfasst, in der Redaktion war der Autor ebenfalls unbekannt. Das Land im äußersten Westen: ein Volk der Ahnungslosen?

Der Nachfolger von Ministerin Köstinger, der Tiroler Totschnig (ÖVP), lässt sich ebenfalls gratis feiern: Seine Mitarbeiterys machen ihm zur Begrüßung die Welle. Der neue Minister widerspricht dem Gerücht, dass die jubelnden Teilnehmerys in die nächste Gehaltsstufe aufrücken. Solche Vorgehensweisen gebe es nicht einmal in Tirol.

Das Jahr 2021 brachte eine tsunamiartige Flut von kuriosen Ereignissen, die keine Satire übertreffen konnte. Arbeitsministerin Aschbacher (ÖVP) tratt wegen Plagiatsvorwürfen zurück; Finanzminister Blümel (ÖVP) blockierte einen Vorstoß Portugals für mehr Steuertransparenz; Innenminister Nehammer (ÖVP) ließ nächtens zwei schulpflichtige Mädchen mit einem Cobra-Trupp abschieben; beim Finanzminster Blümel (ÖVP) fand eine Hausdurchsuchung statt; die Anklage desselben Ministers (ÖVP) gegen einen Pensionisten, der die Regierung „vergesslich oder korrupt“ nannte, scheiterte;  Kanzler Kurz (ÖVP) flog mit dem Privatjet des ukrainischen Oligarchen Flirtasch von Jerusalem nach Wien – die USA möchten Flirtasch seit Jahren gerne wegen Korruptionsvorwürfen ausgeliefert haben, was Österreich verweigert; als Draufgabe existieren etliche Nachrichten der „türkisen Familie“ (ÖVP):
Von „kriegst eh alles, was du willst“ und Bussibussi (Kanzler Kurz, ÖVP an Thomas Schmid) über „Vergiss nicht: du bist die Hure der Reichen“ (derselbe an eine Finanzbeamtin) und das Jammern darüber, dass er nicht „mit dem Pöbel“ reisen will.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt von Stellungnahmen und Aktionen der Regierungspartei ÖVP. Detailliert aufgelistet kann man hier finden: https://kontrast.at/oevp-bilanz-2021/

Unter diesen Umständen blieb der Tagespresse nichts übrig, als vor Gericht zu ziehen: Sie verklagt die ÖVP auf Schadenersatz und Verletzung des Urheberrechts.

Ich bin gespannt, wie der Prozess endet!

PS: Ich verwende die neue, gendergerechte Sprache, wie ich sie in der
Kolumne vom 13. Februar 2022 vorgestellt habe!

In diesem Sinn:
Der Sommer findet 2022 bereits Anfang Juni statt,
schöne Wochen
euer/Ihr
Erich Ledersberger

Lecker, Oida!

Ballert, Habibi!

Ballert, Habibi!

Liebe Almans, ich möchte heute über die Verarmung der deutschen Sprache schreiben. Und damit ist nicht die deutsch sprak gemeint, klar Brudi?

Also macht kein Auge, sondern lest brav, glaubt mir, das ballert. Kein Palaver!

 

 

 

Lecker!

Als meine Tochter noch im erziehungsfähigen Alter war, habe ich ihr das Wort ‚lecker‘ verboten. Jedes Mal, wenn sie es verwendete, bekam sie die Aufgabe, ein anderes Wort mit ähnlicher Bedeutung zu finden. Allmählich machte ihr das Spiel Freude. Essen konnte nun köstlich schmecken, gut sein, manches war sogar himmlisch, umwerfend, fantastisch, leiwand oder zum Niederknien. Urgut fand ich zwar nicht so leiwand, aber wir hatten jede Menge Freude an der Suche nach Alternativen.

Ich komme deshalb auf das Thema, weil ich beim Kochen oft die Küchenschlacht laufen habe. Was dort auf den Tisch kommt, ist zwar jenseits der Idee vom Hobbykochen, aber bisweilen interessant. Allerdings nicht, was den Sprachgebrauch anlangt.
Wenn dort etwas köstlich schmeckt oder gut gewürzt ist, schmeckt es immer gleich: nämlich lecker. Ein anderes Wort kennen die Menschen dort für gutes Essen nicht.
Eine Sauce kann würzig oder gehaltvoll sein, ein Braten nach Rosmarin und Thymian duften, ihnen ist alles gleich, nämlich lecker.

Schade, denn die deutsche Sprache kann mindestens so phantasievoll sein wie leckeres (!) Essen.
Yani!

Deutsch sprak

Etliche wunderbare neue Wörter, die in die deutsche Jugendsprache gerade Eingang finden, kommen aus dem so genannten Kanakendeutsch. Ein Begriff, der, wie heute üblich, sofort als Diskriminierung gesehen wird, obwohl Kanaka eine hawaiische Bezeichnung für Mensch ist. Möglicherweise fühlt sich jemand durch diese Bezeichnung bereits diskriminiert.

Wos was a Fremda, wie der Wiener sagt. Heute ist die Welt ja voll von Beleidigten und Diskriminierten. Etwa durch die Aufgabe in einem 20 Jahre alten Schulbuch.

Yallah!

„Murat und Aische gehen dursch Wald, auf Suche nach korrekte Feuerholz.“ Das ist die poetische Übersetzung der ersten Zeile vonn ‚Hänsel und Gretel‘ ins Kanakische. Aufgabe war es, ein selbst gewähltes Märchen in die Jugendsprache zu übersetzen.

Klingt yani gut.

Leider haben sich mehrere Schülerinnen und Schüler von der Übung ausgegrenzt gefühlt, postete Rechtsanwalt Zingal auf Facebook. Die Schulaufsicht handelte unverzüglich und erklärte, dass die Aufgabenstellung des Schulbuchs als „ungeeignet angesehen und künftig nicht mehr verwendet“ werde.

Wieder eine Chance für eine Belebung der deutschen Sprache vertan!

Eine Linguistin will die Sache nicht auf sich ruhen lassen und forscht weiter unter Jugendlichen zum Thema. Im Interview berichtet sie, dass es allerdings schwer bis unmöglich sei, zu den Jugendlichen vorzudringen. Kaum habe man sie als alte Frau – sie ist schon um die 40 – erkannt, fallen sie in die gute, alte Standardsprache zurück.

Es ist ein Jammer, Habibi!

Alman – Mensch mit deutschen Wurzeln
Sprak – Sprache
Brudi – Freundchen
Augen machen – jemandem etwas Schlechtes wünschen
Mach kein Auge – sei nicht missgünstig
ballert – klingt gut
Palaver – heiße Luft
Yallah – gemmas an
Yani – ungelogen, wahrhaftig
Habibi – Freunde

In diesem Sinn:
Der Sommer naht, schöne Wochen
euer/Ihr
Erich Ledersberger

Und übrigens, damit es niemand vergisst:
Fast alle meine Bücher für meine Karriere gibt es hier zu kaufen:
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Wir sind Experten!

Wir Schafexperten

Wir Schafexperten

Das Wissen der Menschheit vergrößerte sich in den letzten Jahren enorm.

Gab es früher in Österreich ca. vier bis fünf Millionen Fußballexperten, die bei Niederlagen alles besser gemacht hätten, bei Siegen der Meinung waren, dass der Teamchef eben ihren Ratschlägen gefolgt ist, hat sich das Expertentum erweitert.

 

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