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Die Irren sind (noch) über uns

In den 1950er Jahren gab es einen Film mit dem Titel:
Die Mörder sind unter uns.
Der Regisseur hieß Wolfgang Staudte. Es ging um alte Nazis, die unerkannt und friedlich im Deutschland nach dem Krieg lebten.
Im neuen Jahrtausend leben die Irren über uns: Trump, Netanjahu, Putin, Khamenei I und II, und wie sie alle heißen.

 

Im Namen Gottes – oder so

„Zwei Dinge sind unendlich: die Dummheit der Menschheit und die Unendlichkeit des Alls. Bei letzterem bin ich mir noch nicht sicher.“

Diese Aussage stammt angeblich von Einstein und trifft den Zustand der menschlichen Vernunft bestens.
Das Volk verblödet.
Bei Putin und Khamenei kann man als Entschuldigung anführen, dass die beiden in einer Diktatur herrschen, bei Trump, Netanjahu und Milei wird es schwieriger.

Die wurden vom Volk gewählt!

Die Mehrheiten dieser Länder entschieden sich für Anführer, die entweder blitzgescheit oder … nicht so gescheit sind. Der eine Führer heißt Netanjahu, der andere Trump.

Netanjahu weiß, was er tut. Vielleicht weiß das sogar Trump. Beiden geht es um Geld und Vermögen. Vermögen meint hier auch, dass diese Männer alles vermögen können, was ihnen in den Sinn kommt.

Gaza besetzen?
Zölle bestimmen?
Kein Problem, wenn man nur schlau genug ist. Ob die Aktionen etwas bringen, sei dahingestellt. Womöglich kehren sie als Bumerang zu den Werfern zurück. Noch ist es nicht so weit.

Noch diskutieren westliche Staaten, wie sie Trumps permanente Kehrtwendungen in den Griff bekommen können.
Politisch Engagierte versuchen sogar, die Morde in Israel und dem Gazastreifen in eine ausgewogene Theorie zu integrieren.
Faschismus oder Notwehr?
Terror oder Befreiungskampf?
Genozid oder Völkermord?

Den Toten ist es gleichgültig, woran sie gestorben sind.
Sie sind einfach tot. Die Betroffenen kommen bekanntlich selten zu Wort.
Vor allem nicht, wenn sie tot sind.

Sie stören höchstens die komplizierten Argumentationslinien der hiesigen „Intellektuellen“, die bekanntlich über alles Bescheid wissen, vor allem, wenn die Probleme weit weg sind. Wer ihren Sätzen folgt, hat als Ergebnis meistens Kopfschmerzen.
Wenig Erkenntnisse.
Von Ausnahmen abgesehen!
Etwa Dokumentationen wie diese, die den Aufstieg der Faschisten in Israel zeigen.
Ja!
Auch Israel hat seine Faschisten. Die sind kein Privileg des Westens.

Im Osten blicken rationale Irre auf das Volk hinunter und streiten darüber, wem Gott welches Land geschenkt hat. Der demokratische Gottesstaat Israel gegen den autoritären Gottesstaat Iran:
Welcher Gott hat Recht?

Im Westen blicken Verrückte auf die Wirtschaft und sein Wachstum. Sie haben auch einen Gott – und der heißt Kapital. Ihm unterwirft sich das Volk ergeben wie im Osten Jahwe und Allah.

Da und dort grummelt es.
Frauen im Iran, früher Persien, werfen ihre Schleier ab.
Nur mehr 30 Prozent der Menschen dort sind gläubige Muslime.

In Israel wehrt sich etwas, das in den Medien Zivilgesellschaft genannt wird, gegen die Abschaffung der Demokratie.

In Brasilien sitzt Bolsonaro in Haft oder darf nur mit Fußfessel nach Hause.
In Ungarn gibt es Widerstand gegen das Verbot der Pride-Parade. Orban wurde abgewählt.

Davon träumen die Völker andernorts.
Mögen ihreTräume in Erfüllung gehen.

Meine Therapeutin, die KI

Laut einer Untersuchung vertrauen angeblich bereits 20 Prozent der Befragten der KI ihre geheimsten Probleme an.

Die KI sei nämlich zugewandt und empathisch wie kaum ein Mensch.

Echt jetzt?

 

 

Joseph Weizenbaum

Vielleicht kennen diesen Mann nur wenige. Er war ein Ketzer gegen den Computer. Und selbst ein genialer Informatiker. Er unterrichtete ab 1963 am MIT und baute dort mit anderen das Arpanet auf, einem Vorläufer des Internets.

Ich hatte das Glück, ihn zwei Mal bei einem Vortrag zu erleben. Der eine glich dem anderen weitgehend, aber das schmälerte nicht das Vergnügen, ihn zu sehen und zu hören. Er war ein begnadeter Redner, genauer gesagt: Er sprach so, dass alle ihn verstehen konnten. Außerdem war er humorvoll und selbstkritisch.

Ich erinnere mich an die Anekdote mit seiner Enkeltochter, die er erzählte. Sie fragte ihn, wie spät es sei. Und ergänzte: Aber bitte erkläre mir nicht, wie eine Uhr funktioniert.
Das war wohl seine selbst auferlegte Aufgabe: Die Menschen sollten verstehen, warum etwas so ist, wie es ist.

Seine Bücher „Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft“ und „Computermacht und Gesellschaft“ bestätigten mich in meiner naiven Ablehnung dieser Maschine: Ich fand sie zu einem kleinen Teil nützlich, zu einem großen gefährlich. Der nützlichste Teil davon war, dass ich meine Texte einfach korrigieren konnte. In früheren Zeiten war das nervend. Text tippen, lesen, ausbessern, den überarbeiteten Text nochmals tippen, Teile ausschneiden, einfügen, kopieren. Eine beschissene Arbeit.
Mein erster Computer hieß Schneider Joyce und mit ihm fiel die Korrekturarbeit wunderbar aus. Mein Buch „Wiener Brut“, das bei #rororo erschien, hätte ohne ihn sehr viel länger gedauert.

 

Lehrt Wichtiges!

Weizenbaum war ein Radikaler, er ging an die Wurzeln der EDV. Es ist Unsinn, meinte er, junge Menschen bloß mit Programmen zu konfrontieren und ihnen zu zeigen, wie man sie verwendet.
Besser wäre es, wenn sie einen Computer selbst zusammenbauen könnten. Dann verstünden sie, wie er funktioniert und wären nicht abhängig von ihm.

Ich stimmte seinen Sätzen gerne zu. Etwa diesen:
„Man spricht heute häufig von einer Wissensexplosion, mit der wir konfrontiert sind. … Was wir hatten und haben ist eher eine ‚Quatsch-Explosion‘.“

Das galt auch für ‚wissenschaftliche‘ Arbeiten, die ebenfalls aus einer Quatschbude stammen könnten.
„Die Studenten an meinem Institut, dem MIT, haben uns gezeigt, daß man sogar Papiere verfassen kann, die man nicht einmal selber lesen muß. Dies alles geht mit Hilfe des Computers.“

Dieser Joseph Weizenbaum erlaubte sich vor über einem halben Jahrhundert einen Scherz.
Dachte er anfangs.
Er erfand 1966 ein Programm namens ‚Eliza‘, das auf Fragen eines Menschen Antworten gab. Diese Antworten orientierten sich an der Arbeitsweise des Psychotherapeuten Carl Rogers.

„Ein solcher Therapeut ist verhältnismäßig leicht zu imitieren, da ein Großteil seiner Technik darin besteht, den Patienten dadurch zum Sprechen zu bringen, daß diesem seine eigenen Äußerungen wie bei einem Echo zurückgegeben werden.“
Im Buch folgt das Beispiel eines solchen Gesprächs mit einem Computer. Die Antworten des Computers sind in Großbuchstaben dargestellt.

 

Eliza bzw. Doctor

Die Männer sind alle gleich.

IN WELCHER WEISE?

Sie machen uns immer wegen irgendwas verrückt.

KÖNNEN SIE EIN BEISPIEL NENNEN?

Naja, die Idee zu diesem Gespräch stammt von meinem Freund.

DIE IDEE ZU DIESEM GESPRÄCH STAMMT VON IHREM FREUND?

Er sagt, daß ich oft deprimiert bin.

ES TUT MIR LEID VON IHNEN ZU HÖREN, DASS SIE DEPRIMIERT SIND

Das stimmt, ich bin unglücklich.

Und in der Art immer weiter. Ein Gespräch, das eigentlich keines ist. Der Computer ist nämlich kein Mensch und kann nur mit Floskeln, die vom Programmierer gut gewählt sind, auf das Gegenüber eingehen.

Da die Aufmerksamkeitsspanne der meisten Leserinnen und Lesern heute angeblich ziemlich gering ist, fasse ich die weitere Entwicklung des Scherzes zusammen:
Das Programm wurde zuerst in DOCTOR umbenannt, was viel besser klingt als ELIZA. Dann wurde es Psychiatern vorgestellt. Die waren von dem Programm – heute Chatbot oder KI genannt – so begeistert, dass sie tatsächlich und allen Ernstes hofften, es würde zu einer automatischen Form der Psychotherapie ausgebaut werden.
Weizenbaum war entsetzt!

„Ich konnte bestürzt feststellen, wie schnell und wie intensiv Personen, die sich mit DOCTOR unterhielten, eine emotionale Beziehung zum Computer herstellten und wie sie ihm eindeutig menschliche Eigenschaften zuschrieben.“

Diese Erkenntnis ist, wie gesagt, über ein halbes Jahrhundert alt. Weizenbaums Scherz hat sich leider in eine irreale Wirklichkeit verwandelt. Menschen fühlen sich vom Computer besser verstanden als von Menschen.
Das sagt viel über den Zustand der (westlichen) Welt aus.
Und über ihren Bildungsstand.

Schöne Grüße aus den Alpen
Ihr/euer
Erich Ledersberger

PS: Joseph Weizenbaum starb 2008 in seiner Geburtsstadt Berlin. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee begraben.
Seine Bücher sollten zur Pflichtlektüre aller Pädagoginnen und Pädagogen gehören.
https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Weizenbaum

 

Das Kreuz mit dem Kreuz

Nachdem der ‚heilige Abend‘ und die ‚Drei Könige‘ glücklich an uns vorübergegangen sind, können wir nun grundlegende Themen ansprechen.

Etwa das Verhalten der #ÖVP in den letzten Tagen des Jahres 2025

 

An den ‚christlichen‘ Feiertagen geht es bekanntlich nicht um christliche Botschaften, sondern in erster Linie um die Umsatzzahlen des Einzelhandels und der Online-Geschäftemacher. Keinesfalls haben die Tage mit Nächstenliebe, Toleranz und Frieden zu tun. Beweise dafür liefert nicht nur Putin, der mit christlich-orthodoxem Segen in der Ukraine Menschen ermordet, es reicht schon der Blick auf die heimische Politik. Eine Ministerin für Integration postet da folgenden Text:
‚Wusstest du, dass zwei Drittel das Zusammenleben mit Muslimen als schwierig empfinden?‘

Das klingt nach #FPÖ, ist aber von der so genannt christlichen ÖVP. Innenminister Karner, ehemaliger Bürgermeister von Texingtal und damals Betreiber des Dollfußmuseums, in dem man dem austrofaschistischen Kanzler huldigen konnte, findet die Aussage wissenschaftlich fundiert und sensibel.

Nun könnte man ergänzen, liebe ÖVP:
Wusstest Du, dass zwei Drittel sich eine Erbschafts- und Vermögenssteuer wünschen?

Egal, genug der Logik, wenden wir uns wieder den ‚christlichen‘ Politikerinnen und Politiker zu.
Auch der oberösterreichische Landeshauptmann Stelzer hat eine ‚christliche‘ Botschaft an das Volk: ‚Ja zum Kreuz in Schulen und öffentlichen Gebäuden‘ sagt er händeringend in die Kamera. Unsere Identität wird nämlich, so meint er, durch das Kreuz ausgedrückt.

Werter Herr Landeshauptmann!
Meine österreichische Identität wird nicht durch das Kreuz, sondern höchstens durch die Sozialdemokratie ausgedrückt. So sehr ich Jesus Christus bewundere und verehre, so sehr ist mir die katholische Kirche – und auch die orthodoxe – kein Vorbild. Mit Jesus haben beide wenig zu tun. Mehr schon mit Kindesmissbrauch, Ermordung indigener Völker, Folterungen durch Inquisition, Hexenverbrennungen und vielen anderen Grauslichkeiten.

Alles Ereignisse, die etwa mit der Sozialdemokratie nichts zu tun haben. Ihre Mitglieder haben nicht getötet, sondern Wohnungen für Arme errichtet, Spitäler und Schwimmbäder gebaut und das Gemeinwohl gefördert. Darum wären die drei Pfeile der #SPÖ für Klassenräume geeigneter als Kreuze.

Das Kreuz gehört nicht zu den Grundfesten Österreichs!
Sehr wohl aber die sozialen Errungenschaften. Und die sind, Pardon, nicht auf den Feldern der ÖVP gewachsen.

Auf ein Jahr 2026, in dem solche Unsinnigkeiten wie die von Plakolm und Stelzer nicht mehr vorkommen.
Ihr/euer
Erich Ledersberger

Alle meine Bücher hier und in jeder willigen Buchhandlung
https://tinyurl.com/ympe9mz5