Liebe Freundinnen und Freunde,
Abzocke von Autorinnen und Autoren kennt man bereits, etwa in Form von ‚Zuschussverlagen‘.
Diese ‚Verlage‘ publizieren auch Bücher von unbekannten Autorinnen und verlangen dafür, dass die Schreiberinnen ein paar hundert ExemplareDiese ‚Gebühr‘ oder so ähnlich deckt meistens die Druckkosten und der Verlag hat damit seine Schuldigkeit getan. Das Buch verschwindet, in geringer Menge, im Lager. Sollte es wider Erwarten ein großer Erfolg werden: umso besser. Für den Verlag.
Aber es geht auch anders, Urheber abzuzocken.
Etwa so, wie es mit erging.
Vorfreude ist zum Glück die größte Freude. Danach kommt die Ernüchterung …
Nachdem ich das Mail eines New Yorker Verlags bekommen habe, in dem mir versichert wurde, dass man mein Buch auf Englisch veröffentlichen wollte, freute ich mich. Absender war der New Yorker Verlag OTHER PRESS.
Das Mail war mit Alexandra Poreda unterzeichnet.
Natürlich war ich misstrauisch und recherchierte, ob es den Verlag und Frau Poreda überhaupt gibt.
Tatsächlich, Verlag und Alexandra Poreda erschienen im Impressum der Website des Verlags. Und deren Autorinnen und Autoren konnten sich sehen lassen.
Aber, um ein zweites Sprichwort zu zitieren, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
Ich antwortete auf das Mail, fragte, wie Frau Poreda auf mein Buch – Heute gibt’s Tomatensuppe – gekommen sei und erhielt die Antwort, sie habe es auf Amazon gefunden.
Alles paletti. Oder?
Allerdings publiziere OTHER PRESS nur Autoren, die von einer Literaturagentur vertreten werden. Ob ich die englischsprachigen Rechte noch hätte? Und eine Agentur?
Hatte ich und sogar eine Agentur, die mich bei OTHER PRESS vertreten würde.
Meine Agentur kannte sogar den Verlag und würde sich mit ihm in Verbindung setzen.
Das war mein letzter Kontakt mit OTHER PRESS.
Nach drei Wochen schickte ich wieder ein Mail an den „Verlag“ und erhielt keine Antwort. Es gab die Mailadresse nicht mehr.
Meine Frau, die sich berufsmäßig mit KI beschäftigen muss, befragte die „Künstliche Intelligenz“.
Die KI antwortete schnell:
Es gibt immer neue Geschäftsmodelle im Zusammenhang mit Internet und KI.
Eine davon geht so:
Man schreibt Autorinnen und Autoren an, die Bücher im Selbstverlag veröffentlicht haben. Man gibt vor, ihr Buch ins Englische übersetzen zu wollen und fragt, ob die Autorin oder der Autor die Rechte daran hätten.
Wenn sie keine Agentur haben – was bei Eigenverlag eher die Regel ist –, dann bietet man ihnen eine Agentur an.
Natürlich nicht gratis, sondern gegen Kosten.
Auch die Übersetzungen kosten etwas.
Aber dann würden Autorinnen und Autoren bei einem bekannten Verlag publiziert werden.
Nach Überweisung von nicht zu knappen Beträgen, verschwinden die „Dienstleister“ allerdings im Nirwana des Internets.
So weit kam es bei meinem Mailverkehr nicht, weil ich eine Literaturagentur anbieten konnte. Möglicherweise wäre ich andernfalls vor Freude, bei einem bekannten New Yorker Verlag in den USA publiziert zu werden, vom hohen Stockerl gefallen.
Zum Glück habe ich mich nicht euphorisch gefreut, sondern nur ein bisschen.
Der Sturz war daher nicht sehr tief.
So viel zu meiner Veröffentlichung in einem New Yorker Verlag.
Nix ist es mit dem Pulitzer-Preis.
Schade.
Einen schönen Herbst
Ihr/euer
Erich Ledersberger