Vom Bachelor zum Bätschella

Salzstangerl

Es gibt einen Tiroler Abgeordneten, der vor einiger Zeit in einer Rede zum Thema Bildung immer wieder den neuen akademischen Titel „Bachelor“
erwähnte.
Er sprach das Wort genau so aus, wie es geschrieben wird.

Der gute Mann hatte gerade seinen Beruf gewechselt, war vom Fußballschiedsrichter aus wahltaktischen Gründen zum ÖVP-Politiker geworden und erntete mit seiner unglücklichen Aussprache Spott und Hohn. Auch von mir, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, denn hatte er nicht Recht? Er hatte sich nicht um eine fremde Aussprache geschert, sondern in klarem Deutsch gesprochen!

Keinem Amerikaner oder Engländer würde es ja einfallen, den Klang eines deutschen Wortes zu imitieren — abgesehen von einigen Ausnahmen, die ins Englische importiert wurden wie „Kindergarten“, „Rucksack“ oder „Blitzkrieg“.

In keiner Nachrichtensendung von BBC versucht man etwa „München“ zu sagen, sondern nennt das bayrische Großdorf eben „Munich“, also: „Mjunik“.

Auch „Wien“ bleibt dort nicht Wien, sondern wird „Vienna“, also: „Wi-enna“.

In österreichischen und deutschen Medien hingegen bemühen sich Sprecherinnen und Sprecher verzweifelt, Washington in perfektem New Yorker-Dialekt auszusprechen, lautmalerisch etwa so: [wɔʃɪŋtÉ™n].

Wird Deutsch Latein?

Also zu einer toten Sprache, die nur noch von einigen Experten gesprochen wird, die daran glauben, dass dadurch das logische Denkvermögen gestärkt wird? Wäre irgendwie schade, aber wenn „die Wirtschaft“ — das sind bekanntlich wir alle, wie die Wirtschaftskammer immer behauptet — den Sprachwechsel forciert, dann ist Feuer am Dach.

Wer heute zum Beispiel gesund bleiben will, also Sport betreibt, kommt zum Beispiel ohne „Teambag“ nicht aus. Auch ein „Runningschuh“ schadet nicht, zur Not tut’s auch ein „Outdoorschuh“ oder für Bequeme ein „Trekkingstock“. Den Berg hinauf geht’s mit einem „Mountainbike“, runter mit dem „Alu-Scooter“.

Bei Kälte oder Regen hilft eine „Softshelljacke“ oder eine „Stretch-Jacke“ mit „Frontzipper“ und so kommen alle mit „Bauer in den Frühling“.

Pardon: mit „Power“ natürlich.

Die kuriosen Bezeichnungen sind dem Prospekt eines Sportgeschäftes entnommen, das mittlerweile Konkurs angemeldet hat. Vielleicht ein wichtiger Hinweis?

Ich unterwerfe mich, also bin ich

Das Problem am Imperialismus der englischen Sprache ist ja die Bereitwilligkeit vieler deutschsprachiger Menschen, sich untertänigst zu Boden zu werfen und freudig zu hecheln, so gut ihr Englisch das erlaubt.

Übrigens oder „BTW“:
Ich bin kein Gegner dieser Sprache und finde es praktisch, dass ich mit meinem stammelnden Englisch mit einem ebenfalls stammelnden Italiener mich unterhalten kann. Wären wir auf unsere Heimatsprachen reduziert, wir wären noch ratloser.

Übel finde ich die weit verbreitete Anbiederung, die auch dort betrieben wird, wo man so etwas wie Intelligenz, Geist, ja Weisheit vermutet, in der Wissenschaft.

Universitäten haben seit einiger Zeit keine Abteilungen mehr, sondern „Departments“, für Veranstaltungen (auch im Bildungsbereich!) plärren Organisatoren einen „call for papers“ in die Welt hinaus, womit sie nicht den Mangel an Klopapier meinen!

Seit langem gibt es dann keinen Hauptredner mehr, sondern einen „keynote speaker“, Lehrkräfte geben keine Rückmeldungen, sondern „Feedbacks“, verbotene Zonen werden zu „no-gos“, Aufgaben zu „Agendas“, ein Blickfang zum „eyecatcher“ undsoweiter undsofort.

Der Wurm zu Babel

Vielleicht war es damals auch ein Turm, jedenfalls verstanden im Anschluss an diesen Bau die Menschen einander nicht mehr. Der Wurm war drin im Turm.

Was beim inflationären Gebrauch englischer Wörter verloren geht ist sein Inhalt. Das „Handy“ gibt es im Englischen nicht und daher werden Engländer ratlos sein, wenn sie nach ihrer „Handy“-Nummer gefragt werden.

So ratlos wie jener Mann aus dem schönen Ötztal, der am Innsbrucker Bahnhof eine alte Dame fragte, wie er denn bei einem Automaten eine Fahrkarte kaufen könnte.

Die Dame erklärte ihm, dass Fahrkarten hier „Ticket“ heißen und half ihm bei der Eingabe.

Ist übrigens kein „joke“ (Scherz), sondern tatsächlich geschehen im Jahr 2014.
Ich finde die Geschichte nicht zum Lachen, sondern zum Nachdenken.
Wie den Hoodiejournalismus, eine interessante Wortschöpfung aus dem Internet. Mehr dazu auch hier!