Kontrolle ist gut, Selbstkontrolle ist besser!

Totale SelbstkontrolleAls ich neulich auf meinen Schrittzähler blickte und erfreut feststellte, dass ich mein heutiges Pensum bereits um 16 Uhr erfüllt hatte, fiel mir ein:
Was macht dieses Gerät, das ich freiwillig gekauft hatte, eigentlich mit mir?

 

 

Lust ist schädlich!

Wir leben in einer seltsamen Welt. Noch vor wenigen Jahrzehnten begehrten Menschen auf gegen Verbote, heute scheinen sie sich danach zu sehnen.

Warnhinweise, wohin das Auge blickt. Die EU, die machtlos ist gegen Steuerhinterziehung und Spekulation — die „Transaktionssteuer“ wurde in der ZiB vom 8. Dezember als hinfällig bezeichnet —, zeigt sich emsig in Sachen Lustverbote:

  • Dass Rauchen unweigerlich zum Tod führt ist mittlerweile allen Menschen bekannt, weil das auf allen Zigarettenpackungen steht.
  • Demnächst soll auf Bierflaschen der Hinweis stehen, dass sie Alkohol beinhalten und der ist — jawohl! — schädlich.
  • Immerhin der Lust entgegen kam die Verordnung für die Größe von Kondomen. Sie sind europaweit mindestens 16 Zentimeter lang, was manchen Anwendern wieder Unlust bereiten kann.
  • In den USA ist man wie immer schon weiter: An einer Universität sind Parfums verboten, weil sie bei anderen eine Allergie auslösen könnten. Und falls Studierende die Lust zum Küssen überkommen sollte, muss vorher gefragt werden, ob das auch genehm ist.

 

Fitness ist alles!

Ziel all dieser Verbote ist selbstverständlich unser Wohlbefinden. Vater Staat und Mutter Kirche wollen für uns stets das Beste. Und es gibt noch viel zu tun!

Da längeres Sitzen zu Verfettung führt, gehe ich davon aus, dass in Zukunft auf jedem Sessel steht, dass er meine Gesundheit gefährden kann.

Zwar gibt es für Landwirte seit 1978 eine EU-Richtlinie zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedsstaaten über Umsturzvorrichtungen für land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen auf Rädernzur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedsstaaten über Umsturzvorrichtungen für land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen auf Rädern“ vorgegeben.

Dort steht auch, wie ein guter Sitz am Traktor sein soll.

Meiner Ansicht nach eine völlig falsche Initiative, denn ein altes Sprichwort lautet bekanntlich:
Sitzt der Bauer viel am Traktor
ist das ein großer Krankheitsfaktor.

Besser wäre eine Verordnung, dass der Bauer so unbequem wie möglich sitzt, damit er alle zwei Stunden absitzen und ein paar Schritte macht, sagen wir 600.

Das könnte über einen Schrittzähler gemessen werden, der die Ergebnisse direkt an die Sozialversicherung weiterleitet. Wer sich an die Vorgaben hält, bekommt einen Gesundheitsrabatt.

Bewegung ist nämlich gesund, Sport bisweilen Mord. Wer will sich schon wie Boris Becker in den besten Jahren eine künstliche Hüfte einsetzen lassen?

Und weil zu viel Sport gefährlich ist, werden wir hoffentlich beim Kauf von Laufschuhen auf die richtige Dosierung hingewiesen werden.

 

Was soll Politik?

„Ich habe seit langem den Eindruck, dass die Politik, weil sie im Großen nichts bewegen kann, sich jetzt auf diese Mikroschauplätze der alltäglichen Lebensregulierung begibt. …. Weil die Politiker den Bürgern nichts mehr zu bieten haben, können sie immerhin noch verbieten.“

Haben Politiker Lust am Verbieten, wenn sie schon nichts Anderes regeln können?

„Offensichtlich befriedigt das (Verbieten, AdA) die Lust des Politikers. … Irgendwie ein Kompensationsphänomen.“ Meint der Kommunikationsforscher Nobert Bolz in einer Ö1-Sendung.

Der Philosoph Robert Pfaller formuliert es noch deutlicher. Statt sich um die Probleme der Finanzwirtschaft zu kümmern — siehe Hypo Alpe Adria mit einem Schaden, der alle Steuerzahler betrifft —, konzentriert sich die Politik auf Helmpflicht und Hinweise auf Bierflaschen, dass Alkohol schädlich ist.

Das könnten ein mündiger Bürger und eine mündige Bürgerin auch selbst erkennen, aber Hinweisschilde sind leichter zu verordnen als Steuern auf Spekulation und Verfolgung von Steuerhinterziehern und —hinterzieherinnnen:
„Alle möglichen kleinen Verbote werden plötzlich zur Agenda einer Beamtenschaft, die sich dadurch auch selbst vermehrt. Denn jedes Verbot produziert auch eine Behörde, die es überwacht.“

 

Ich überwache mich, also bin ich

Allerdings ist unsere Gesellschaft schon weit über eine fremde Überwachung hinaus entwickelt. Die Überwachung von außen ist längst der inneren Überwachung gewichen.

Haben wir uns einst gegen unsinnige Verbote von außen gewehrt, verinnerlichen wir immer mehr Verbote und halten das für Freiheit.

In den USA hat jemand ein Programm erfunden, das Pawlog oder so ähnlich heißt. Sobald die Träger die selbst gestellten Ziele nicht erreichen, erhalten sie einen Stromstoß. Was …

Oh! Pardon. Mein Schrittzähler piepst gerade!
Ich wollte zwar noch etwas schreiben.
Aber leider.
Ich muss mich jetzt dringend bewegen.

Bis nächsten Sonntag.
Ihr/euer Erich/Ledersberger

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