Wer glaubt zu wissen

Wer glaubt zu wissen - Foto der Ausstellung

Ausstellungsfoto

Am 12. Mai 2017 fand in Untermieming die Vernissage zur Ausstellung von Ursula und Dietmar Tiefengraber statt. Sie ist noch bis zum 28. Mai zu sehen: Samstag und Sonntag von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr.

Zur Information meine Eröffnungsrede, sie hat mich sehr gefreut!

 

 

Preisliste

Ursula und Dietmar Tiefengraber sind Künstler.
Und sie meinen es sehr ernst mit ihrer Kunst. Der gute, alte Leo Tolstoi hat in seinem Buch „Was ist Kunst?“ bemerkt, dass Kunst eine soziale Aufgabe hat und nicht, einen hohen Preis am so genannten Kunstmarkt zu erzielen.

Dort investieren bekanntlich Menschen „in Kunst“, um eine hohe Rendite, einen großen Profit zu erzielen.
Kunst ist dort eine Ware wie Aktien von VW oder Adidas.

Uschi und Didi geht es nicht um Kursgewinne, sondern darum, Menschen zum Nachdenken zu bringen. Häufig zu sozialen Fragen.

Darum gibt es hier auch keine Preisliste für die ausgestellten Bilder. Das mögen die beiden nicht.

Ich habe sie gebeten, es dennoch zu tun. Aber weil ich sie kenne, habe ich schon geahnt, dass ich mit meiner Bitte nicht ankomme.
Wer also eines ihrer Bilder kaufen will – nein, sie sind nicht unverkäuflich! – kann sich an einen der beiden wenden. Dann erfahren Sie mehr über die beiden Künstler und, wenn Sie Glück haben, auch den Preis des einen oder anderen Bildes.

Aber jetzt zum Thema der Ausstellung.

 

Wer glaubt, zu wissen

Ein altes Sprichwort lautet: „Glauben heißt nichts wissen.“ Hat also das eine, der Glaube, nichts mit dem anderen, dem Wissen, zu tun?
Der Glaube ist weitgehend fix, er wird – und darf bisweilen – nicht bezweifelt werden.

Das Wissen hingegen ändert sich. Es macht Fortschritte. Vor etwa 175 Jahren befürchteten Gegner eines neuen Fahrzeuges, dass seine Benutzerinnen und Benutzer krank würden, weil es mit mehr als 30 kmh unterwegs war. Heute fährt die Bahn in Österreich an die 300 kmh und krank wird man nur, wenn der Nachbar stundenlang in sein Handy brüllt.

 

Religionen

Die bedeutendsten Vertreter des Glaubens waren – und sind es teilweise noch heute – die Religionen, in unseren Breiten überwiegend das katholische und evangelische Christentum, zunehmend auch der Islam.

Die katholische Kirche brauchte zum Beispiel Jahrhunderte, bis sie zugeben konnte, dass die Erde nicht das Zentrum des Alls ist.

Noch heute plagen sich ihre theoretischen Vertreter damit, wie nun Jesus‘ Geburt jungfräulich über die Bühne gegangen sein soll, also ohne Geschlechtsverkehr. Nur auf diese Weise konnte Jesus nämlich ohne Erbsünde geboren werden.
So hat es Kirchengründer Augustinus beschlossen und Generationen von Theologen (Frauen blieben über viele Jahrhunderte außerhalb dieser Welt) diskutierten, wie man dieses komplizierte Phänomen erklären sollte.

Und weil eine große Portion Glauben dafür nötig war, verkündete Papst Pius IX. 1854, dass die Jungfräulichkeit ein Dogma sei.

Ein Dogma ist sozusagen der Höhepunkt eines Glaubens: An einem Dogma darf nicht gerüttelt werden. Es ist so, weil es so ist.

Jede Religion hat solche Ideen. Auf manche (Männer) warten im Himmel 72 Jungfrauen, andere brandmarken lustvolle Sexualität als Sünde, wieder andere setzen sich einen Aluminiumhut auf gegen Chemtrails – aber halt, da sind wir schon bei einem neuen Glauben, der mit Gott nichts zu tun hat.

Filme und andere Medien

Heute sind die Träger des Glaubens Filme und in jüngster Zeit die sogenannten „sozialen Medien“.
Wer kennt nicht den Satz, dass Menschen sich manchmal wie Lemminge verhalten? Womit gemeint ist, dass sie sich gemeinsam umbringen.

Urheber dieses Glaubens ist ein Tierfilm von Walt Disney aus den 1950er Jahren. Dort wird das plötzliche, nahezu vollständige Verschwinden von Lemmingen, das in unregelmäßigen Zeitabständen passiert, durch gemeinsamen Selbstmord erklärt.
Tatsächlich verhält es sich anders: Je mehr Lemminge es gibt – und sie vermehren sich lawinenartig, ein Weibchen bringt bis zu 90 Junge zur Welt! – desto zahlreicher werden ihre Fressfeinde. Und wenn die Lemmingfeinde eine gewisse Zahl erreicht haben, verschwinden die Lemminge, weil sie von den vielen Feinden nahezu vollständig gefressen werden.

Was den Feinden der Lemminge auch nicht gut tut. Ohne Futter verhungern viele von ihnen, ein Beispiel dafür, dass es auch in der Natur ziemlich dumme Tiere gibt. Und eine Lehre für kluge Menschen, dass ein rücksichtsloses Leben letztlich auch den Protzern und Prassern schadet. Dann nämlich, wenn die Ressourcen der Welt aufgebraucht sind.

In den unsozialen Medien verbreiten nun viele Menschen unsinnige Nachrichten. Sie werden anscheinend umso eher weitergegeben, je absurder sie sind. Aus Zeitmangel erwähne ich nur einige.

  • Masern sind harmlos, Impfungen des Teufels.
  • Die Mondlandung ist eine Fälschung von Filmemachern.
  • Flüchtlinge vergewaltigen grundsätzlich „unsere“ Frauen, wie das häufig genannt wird.
  • Flugzeuge versprühen mittels „Chemtrails“ Gift, das uns impotent macht.
  • Und Engel schützen uns davor. Vielleicht.

 

Kanonenfutter und Konsum

Wir stehen in dieser Ausstellung symbolisch auf den Rücken von Menschen.
In der Mitte des Raumes ein goldenes Einkaufsnetz, in dem sich ein viel zu großer Fisch befindet.

Wir leben in jenem Teil der Welt, in dem Konsum zur Vernichtung wird. Zur Vernichtung von Waren hier. Zur Vernichtung von Menschen dort, im fernen Osten oder Süden.

Vom Aussaugen der Entwicklungsländer

Vom Aussaugen anderer Länder

Das ist gut fürs Wachstum, heißt es.

Aber unendliches Wachstum ist nur möglich mit Zerstörung, sagte ein Wirtschaftsexperte, ich glaube, es war Ernst Friedrich Schumacher. Nur nach Zerstörungen kann die Wirtschaft wieder wachsen.

Und Zerstörung funktioniert am besten mit Krieg.
Wir sehen ihn im Fernsehen, im Irak, in Afghanistan, im Jemen, in Europa.

Im nächsten Raum von Uschi und Didi Tiefengraber können wir darüber nachdenken, ob das wirklich sinnvoll ist: Wachstum mit Hilfe von Zerstörung.

Am Ende sind wir nicht mehr Konsumenten, sondern Futter.
Futter für Kanonen.
Kanonenfutter.

Ein Gegenmittel lautet: Denken. Nach-denken.
Nicht etwas glauben, bloß weil es jemand behauptet.

 

Glaube, Wissen, Wahrheit

Und was ist jetzt die Wahrheit? Also die einzig wahre und richtige Religion? Oder Ideologie? Christentum? Islam? Vaterland? Patriotismus?

Da sind wir jetzt bei einem Begriff angelangt, der Wahrheit nämlich, der so schwierig ist, dass heute davon geschwiegen werden soll.

Als Hinweis ein Zitat, das angeblich von Kurt Tucholsky stammt:
„Ich glaube jedem, der auf der Suche nach der Wahrheit ist.
Ich glaube niemandem, der sie gefunden hat.“

Uschi und Didi sind auf der Suche.

Und wer die Ausstellung sucht:
Hier ist der Weg dorthin und ein Link auf GoogleMaps.

Hier ist Untermieming

Kunstwerkraum Untermieming

Geöffnet Samstag und Sonntag
von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr
bis zum 28. Mai 2017

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