Fakten – hart und weich

Die Sprachhülsen breiten sich aus. Im heutigen Ö1 Mittagsmagazin äußerte ein Meteorologe seine Ansichten zum Thema „Klimaveränderung“. Er unterschied zwischen harten Fakten und weichen Fakten.Nun ist ein Faktum etwas „Gegebenes“, etwas, das vorhanden ist. Ob das hart ist oder weich, hängt vielleicht vom Gegenstand ab. Beton wäre dann ein hartes Faktum, Styropor ein weiches. Zumindest, wenn einem das eine oder das andere auf den Kopf fällt.

Was aber hat man sich in der Wissenschaft unter einem weichen Faktum vorzustellen? Eines, das einem angenehmer ist als ein hartes Faktum, wenn man darauf stößt?

Oder handelt es sich beim weichen Faktum um etwas Vorhandenes, das es vielleicht gibt – oder auch nicht? Dann ist das weiche Faktum kein Faktum, sondern eine Vermutung.

So wie die Wettervorhersage für die nächste Woche. Wahrscheinlich dachte der Meteorologe daran, als er seine Fakten unterteilte in weiche und harte.

Der Ökonom als Pädagoge

Noch schlimmer wird es, wenn ein Wirtschaftsjournalist über Schulsysteme schreibt. Im Trend weiß ein Herr Martinek, warum es falsch ist, SchülerInnen mit einem „Nicht genügend“ aufsteigen zu lassen.

„Die Bedrohung des Sitzenbleibens in der Schule zu überwinden wappnet gegen die echt schmerzhaften Möglichkeiten des Durchfallens im späteren Leben.“

Echt wahr, nicht wahr? Deshalb haben wir Österreicher auch jede Menge Nobelpreisträger, während die Amis, die keinen echten Schmerz in der Schule kennen lernen, eine echt matte Wirtschaft und echt wenig tolle Wissenschafter.

Gut, dass uns das endlich jemand gesagt hat.

Außerdem ist das Durchfallen nicht so teuer wie „Kinder in Extrakursen, die von zusätzlichen Lehrern abgehalten werden, in den entsprechenden Fächern weiter zu schulen.“

Warum das Schulsystem von Schweden und Finnland trotzdem billiger ist, kann uns der Herr Journalist zwar nicht erklären, aber er hat ja auch das Kurssystem nicht verstanden.

„Verunsicherte Schüler, die keine Ahnung haben, warum sie für eine Prüfung lernen müssen, wenn ohnehin jeder in die nächste Klasse kommt. (Stichwort: Durchschnittsverwahrlosung.)“

Der Zusammenhang mit dem Stichwort ist rätselhaft und der vorige Satz falsch. (Er ist nicht einmal ein „weiches Faktum“.) Entweder der Herr hat noch nie einen Artikel zum Thema gelesen oder er möchte gerne Politiker werden. Vielleicht als Funktionär der ÖVP-Lehrergewerkschaft.

Viele Möglichkeiten hat er nicht mehr, allmählich setzt sich sogar in der ÖVP die Ansicht durch, dass nicht alle anderen Länder es falsch und wir es richtig machen. Noch dazu, wo die Erfolgsgeschichte des österreichischen Schulwesens knapp nach Maria Theresia endete – wenn man vom Wien der Zwischenkriegszeit absieht, als dort ein Otto Glöckel jene Reformen begann, die andere Länder fortsetzten.

Die Diktatur des Ständestaates und der Faschismus beendeten diese Entwicklung. Und danach wurde über Pädagogik und Schulwesen auf jenem Niveau diskutiert, das Herr Martinek im Trend fortschreibt.

Fritz Kortner, Theaterregisseur, soll einmal gesagt haben, „ich lache nicht unter meinem Niveau“.

Es wäre schön, wenn der Trend nicht unter seinem normalen Niveau schreiben ließe.

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