Sammler und Jäger

Der Mensch hat einen Trieb. Mindestens. Ich schreibe heute von dem des Sammelns. Der hat es in Zeiten der Digitalisierung nicht leicht. Früher sammelte ich Zeitungsausschnitte und legte sie in eine Schachtel. War die voll, erstand ich eine neue und füllte sie mit interessanten Artikeln. Auf diese Weise wurde mein Anspruch an Wohnraum, vor allem Kellerraum, immer größer.

Heute entstehen Zusatzarbeiten. Die Artikel werden eingescannt und digital gesichert. Weil ein Computer normalerweise nach etwa drei Jahren kaputt wird, müssen die Artikel gesichert werden. Auf eine externe Festplatte.

Allerdings werden auch diese regelmäßig kaputt, daher müssen die Daten – Sicherheit ist alles – ein weiteres Mal gesichert werden. Gebackupt, wie wir Fachleute sagen.

Auf diese Weise habe ich mein Bücherregal um einige Teile erweitern müssen, um darin alle externen Festplatten aufzubewahren. Voll mit Zeitungsartikel, Fotos, Videos und anderen Dingen, die niemanden interessieren, nicht einmal mich.

Das klingt nicht nur nach Zeitvernichtung, es handelt sich ganz konkret um eine solche. Dennoch ist die Tätigkeit des Archivierens höchst interessant.

Heute fand ich zum Beispiel einen Artikel über die Lust an Wiederkäuern.

Frau Möller aus dem Sauerland hat einen Bauernhof. Aber nicht irgendeinen, sondern einen tier- und menschenfreundlichen. Die Gäste dürfen dort echte Kühe küssen. Das beruhigt angeblich ungemein, vor allem, weil es sich bei den Kühen um die Rasse der „Hinterwälder“ handelt. Die sind, laut Frau Möller, eher zurückhaltend und haben „mehr Fluchtinstinkte als die modernen Zuchtrinder“. Kluge Tiere also.

Ich nehme an, sie schmusen eher ungern mit Fremden, was ja auch unter Menschen – noch – üblich ist. Gekuschelt wird von Kuh zu Mensch ungefähr 20 Minuten lang, dann ist Schluss mit lustig. Die Tiere haben dann genug von menschlicher Zärtlichkeit.

Die Gäste können aber aus der Distanz ein echtes Kuhbild malen, das sei sehr inspirierend.

Interessant auch, dass vor allem Erwachsene die Nähe zu Kühen suchen. Männer, behauptet Frau Möller, schenken einen solchen Urlaub gerne ihren Frauen zum Geburtstag.

Mit irgendjemandem muss selbst die moderne Frau schmusen können.

Eineinhalb Stunden Kuhkuscheln kosten übrigens nur 15 Euro. Eine echte Mezzie im Vergleich zum Aufenthalt im Bordell!

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