Von Beruf: Hysteriker

2013-12-10_kakanien_von_beruf_hysteriker

Neulich habe ich zu meinem Entsetzen gelesen, dass die Hysterie keine Krankheit mehr ist! So hat es die WHO
angeblich beschlossen und durch den unverständlichen Begriff „dissoziative Störung“ ersetzt.

Schade! Mir erscheint Hysterie durchaus einleuchtend und weit verbreitet, weil sie ein Verhalten beschreibt, bei der Geltungsbedürfnis, Egozentrismus und ein Bedürfnis nach Anerkennung im Vordergrund stehen“. (Wikipedia)

Fritz Riemann beschreibt in seinem Buch „Grundformen der Angst“ die hysterische Persönlichkeit so:

„Hysterische Persönlichkeiten leben in einer Pseudorealität. … In der Ethik haben sie naiv-unverbindliche Einstellungen. Die Möglichkeit, alles zu relativieren und den Sündenbock draußen, nur nicht bei sich selbst, zu suchen, wird reichlich benutzt. Das erschwert ihnen die Selbstkritik, weshalb sie aus Krisen selten etwas lernen.“ (S. 193)

Kurz und unwissenschschaftlich zusammengefasst: Ich errege mich, also bin ich.

Passt das nicht wunderbar auf viele Menschen? Und nicht nur auf unsere Politiker?

Beinahe verdurstet!

Vor wenigen Wochen habe ich auf die permanente Gefahr des Verdurstens hingewiesen, der sich viele ausgesetzt fühlen und auf die Forderung eines Alkoholverbotes in Teilen Innsbrucks durch die FPÖVP-Koalition. Beides eindeutig hysterische Symptome, die in den letzten Jahren ein enormes Wachstum verzeichnen.

In Österreich gibt es sogar eine eigene Zeitung für diese Gruppe, sozusagen ein Kampfblatt der Hysterie. Überschriften lauten etwa:

„Frau 4 Mal überfahren — Passanten schauten nur zu“
Okay, das passierte in China, aber irgendwie hat man das Gefühl, es könnte jederzeit, spätestens morgen, in Grammatneusiedl passieren.

„Drogen über „šKuschelzelle’ ins Gefängnis gebracht“
Das also ist das Ergebnis von Kuscheln — Abhängigkeit! Das sollten unsere Lehrerinnen und Lehrer, die ständig Kuschelpädagogik praktizieren, sich endlich merken.

Wenn die Welt unübersichtlich und die Suche nach Erklärungen schwierig wird, breitet sich Hysterie aus wie die berühmten Schwammerln bei Feuchtigkeit und Wärme. Den gordischen Knoten löst man nicht auf, man zerschlägt ihn! Das hat schon Alexander der Große so gemacht und tolle Kriege geführt.

Obwohl, die wollen wir auch nicht. Wir wollen Sicherheit. Die ist ganz einfach herzustellen: mit mehr Überwachung!

Die Lobby der Erzeuger von elektronischen Aufnahmegeräten ist da ganz bei uns und unserem Sicherheitsbedürfnis. Sie freut sich darauf, jede Ecke mit Kameras und demnächst auch Mikrophonen zu bestücken, das erhöht den Umsatz und nützt der Sicherheit! Naja, eigentlich gar nicht, wie der Polizeisprecher von Berlin zugeben musste.

Auch Paulus Hochgatterer teilte in der Universität Wien einer interessierten Minderheit mit, in welch „unsicheren Zeiten wir leben:

„Aus meiner Befragung der wissenschaftlichen Literatur ergibt sich folgender Befund: Wie der Globus insgesamt ist auch die Jugend heute so friedlich wie nie. Weltweit ist zum Beispiel die Frequenz aggressiver Auseinandersetzungen in mitteleuropäischen und nordamerikanischen Schulen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen. Auch die „šGeneration Porno’ ist eine Chimäre. Die reale Sexualität Jugendlicher war noch nie so aufgeklärt, verantwortungsbewusst und rücksichtsvoll wie heute.“ (Profil, 9. Dezember 2013, S. 68)

Kann schon sein, aber erklären Sie mal einem Hysteriker, dass er sich nicht aufregen, sondern nachdenken soll! Ein sinnloses Unterfangen.

Wer jemals FPÖ-Politiker gesehen hat, wie sie sich vor einer Laus im Joghurt fürchten und sogleich den Untergang des Abendlandes wittern, weiß, was ich meine. Oder erinnern wir uns an jene ÖVP-Ministerin, die neun Millionen Staubschutzmasken bestellte, weil die Schweinegrippe vor der Tür stand – und dann nicht hereinkam.

Essen ist unverträglich

Die Lebensmittelindustrie hat das konsumfördernde Potential solcher sich ausbreitender hysterischer Persönlichkeiten erkannt und fördert emsig seine Vermehrung.

Nach der Herstellung weitgehend fettfreier Produkte ist der neueste Schrei das Thema Unverträglichkeit. Nachdem die Bevölkerung dafür sensibilisiert wurde, möglichst gesund zu sterben, um das nationale Budget zu schonen, hören viele aufmerksam in sich hinein.

Und was hören sie? Ein Grummeln. Ein Quietschen. Ein Lärmen mitunter!

Man ist bekanntlich, was man isst und pisst, was man trinkt und stöhnt, wenn es im Bauche dröhnt.
Seit immer mehr Menschen in sich hineinhören, hören auch immer mehr Menschen Geräusche aus sich herauskommen.

Ein klarer Fall von Krankheitssymptom und daher bietet die Industrie für „Glutenunverträglichkeit“, „Laktoseintoleranz“ oder sonst ein Symptom, das locker Gesprächsstoff für einen Abend hergibt, jede Menge Stoff, also Lebensmittel.

Es gibt „laktosefreie Milchprodukte“, „glutenfreies Getreide“ und vieles mehr für alle Ernährungssensiblen dieser westlichen Industriewelt. sogar glutenfreies Öl ist bisweilen erhältlich, was keine große Kunst ist, weil Öle prinzipiell keine Gluten enthalten.

Vielleicht sollten wir mit dem Essen aufhören? Anderersseits wäre das schon wieder eine Krankheit — was also tun?

Vielleicht vom Hysteriker zum Historiker werden. Über die Frage nachdenken, ob schlichte Antworten je geholfen haben, komplizierte Sachverhalte zu  lösen.

Der Unterschied besteht aus zwei Buchstaben. Kann doch nicht so schwer sein