Olympische Spiele 2010

Vor kurzem machte mich ein Freund darauf aufmerksam, dass in Vancouver die Winterolympiade stattfindet. Als altmodischer Mensch betreibe ich zwar lieber selbst Sport, aber warum nicht einmal den Fernseher einschalten und jenen Spielen zusehen, bei denen die Teilnahme bekanntlich alles ist, der Sieg Nebensache. Frieden stiftend sollen die Spiele sein, ein „Fest der Völker“, wie schon der Titel von Leni Riefenstahls Olympiafilm 1938 lautete.

Gedacht, getan — Fernseher eingeschaltet und schon sah ich eine neue Sportart. Sie heißt Skicross und funktioniert so: Vier Schifahrer starten gleichzeitig und fahren hinunter ins Tal. Leider kommt es dabei zu unschönen Szenen, weil die Teilnehmer nicht begriffen haben, dass Teilnahme alles ist. Jeder will bloß gewinnen! Das geht nur, wenn die Konkurrenten irgendwie ausgeschaltet werden. Die Fahrer schmeißen daher wie wild die Stöcke auf die Seite, damit die anderen nicht an ihnen vorbeikommen.

Die Sportreporter sind ganz begeistert von den tollen Stürzen, die sich bei diesem Faustkampf auf der Piste ergeben. Wunderbare Saltos werden geschlagen, die í„rzte am Rand der Piste freuen sich über diverse Verletzungen und alles ist supertoll. Zusätzlich handelt es sich endlich um eine Disziplin, die mit der Realität zu tun hat. Welcher einfache Mensch kann schon eine Schanze besteigen und 150 Meter weit segeln?

Aber der Kampf Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, der findet täglich auf den Pisten statt, das habe ich selbst vor einigen Tagen in der Schlick, einem Tiroler Schigebiet, erlebt. Da blieb ich am Rand der Piste stehen, wollte ausatmen und die schönen Berge ansehen, als mich ein Konkurrent anfuhr und umwarf.

Und warum? Weil ich nicht mit meinen Stöcken wild um mich schlug und bloß das Panorama bewunderte. In Zeiten der Wirtschaftskrise ist das gefährlich, schließlich sind die Ellbogen derzeit die wichtigsten Glieder der Gesellschaft.

Übrigens ist in Vancouver ein Rodler gestorben. Der Fahrer geriet mit Tempo 144 aus der Bahn. Leider nur beim Training, so konnte das Ereignis nicht live in alle Welt übertragen werden.

Denn in Wahrheit heißt das Motto der Olympischen Spiele nicht „Teilnahme ist alles“ sondern „Sensation und Geschäft sind alles“.

Ich habe den Fernseher abgeschaltet, meine Laufschuhe angezogen und drehte eine Runde am Inn. Klappte auch ohne Stöcke super!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.