„Call for paper“

Immer öfter fühle ich mich wie ein Gast im eigenen Land — rundum sprechen Menschen in einer fremden Sprache, die ich nicht verstehe. Niemand spricht deutsch, nicht einmal kroatisch oder slowenisch! Das sind jene zwei Sprachen, die im Vielvölkerstaat Österreich regional zusätzlich zugelassen sind. Deutschland ist diesbezüglich ja viel ärmer dran, es hat nur eine einzige Sprache und die Schweizer machen sich besonders wichtig, indem sie gleich vier Amtssprachen zulassen.

Begonnen hat mein Unwohlsein mit einer Veranstaltung zum Thema „Lernen“ und der Aufforderung „call for paper“. Ich hatte in der Schule acht Jahre das Fach „Schulenglisch“ und bot sofort acht Rollen Klopapier an. Die Frachtkosten hätte ich selbst übernommen, leider war alles ein Missverständnis. Der Aufruf richtete sich an geistige Inhalte, man war eingeladen, nach dem „keynote speaker“ einen Beitrag zum Thema vorzuschlagen.

Das freute mich so sehr, dass ich gleich im Internet recherchierte, was ein „keynote speaker“ ist. Die Übersetzung war einfacher als das Wort vermuten ließ, es handelte sich schlicht um den Hauptredner der Veranstaltung. Ich gebe allerdings zu, dass dieses Wort jeder Mensch versteht und sich dadurch bereits eine Wendung ins Banale ergeben hätte, die dem Anspruch der Veranstaltung – um nicht zu sagen: des „events“! – eklatant widersprochen hätte.

Ich schickte also eine „response without paper“, denn die Digitalisierung meiner Welt erlaubt es nicht, schlichtes „paper“ zu verwenden. Mein „non-paper“ wurde nicht angenommen, aber die „University of Technology — Department e-learning and e-understanding“, die frühere Universität, schickte mir ein Programm, in dem der gesamte „content“ aufgelistet war.

Damit ich mich auskenne, waren alle „tracks“ aufgelistet. Dummerweise kann es sich beim track um vieles handeln, etwa Gleisanlage, Feldweg oder Spurweite. Falls ich nicht „off the track“ bin, also auf dem Holzweg, handelt es sich bloß um verschiedene „workshops“, früher vulgär Arbeitskreise genannt, die parallel stattfinden.

Wer sich fremd fühlt, sollte zuerst die Sprache der Einheimischen erlernen, das verlangen wir von Zuwanderern und das muss auch für mich gelten.

Die „challenge“ (im Sinne von Schwierigkeit) dabei ist, dass es zu „challenges“ (im Sinne von Problemen) kommt, wenn die Wörter in einen „challenge“ (im Sinne von Wettbewerb) treten. Es ist natürlich eine „challenge“ (im Sinne von lockender Aufgabe), diese „challenges“ (im Sinne von Schwierigkeiten) zu „challengen“ (im Sinne von fordern). Andere werden das aber „challengen“ (im Sinne von hinterfragen) und eine „challenge“ (im Sinne von Kampfansage) an die Fremdlinge richten. Ob diese „will accept a challenge“ (im Sinne von Herausforderung annehmen) bleibt die qweschtschn. Also die Frage.

Ich jedenfalls stelle mich der „challenge“ (im Sinne von Herausforderung), schließlich will ich nicht von gestern sein. „I’m no yesterday man“, if you know what I mean. Life Long Learning“ ist das Gebot der Stunde, selbst wenn das ins schlichte Deutsch übertragen werden kann: lebenslanges Lernen.

Klar, es kommt auf den POV (Point Of View) an. Aber ich stelle mich der Moderne, selbst wenn sie eine Post ist. Denn: AAMOF (As A Matter Of Fact) muss ich sagen: SNAFU (Situation Normal All Fucked Up).

In diesem Sinn:
cu (see you), ROFL (Rolling On the Floor Laughing).
Und NVM (NeVer Mind) it’s NP (No Problem).
KwT (kein weiterer Text).

BTW (By The Way): awg, alles wird gut. Wenn immer mehr Musiker deutsche Texte singen, werden bald wieder Beiträge für Veranstaltungen gesucht werden – und niemand macht mehr einen „call for papers“.

Otherwise you get only shit.

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