Einerseits und andrerseits

Es ist immer wieder schön, die Interviews mit österreichischen Experten anzusehen, vor allem, wenn sie immer höher steigen, etwa in den „Staatsschuldenausschuss“. Der Name bürgt für Qualität, also Kakanien und Herr Felderer ist nicht nur Vorsitzender dieses interessanten Ausschusses, sondern auch Chef des IHS, des „Instituts für höhere Studien“.

Wer in einem so staatstragenden Plenum sitzt und sich mit Schulden herumschlagen muss, der muss auch staatstragend und österreichisch, also neutral sein. In der „Zeit im Bild“ wurde das Interview mit Herrn Felderer so zusammen gefasst: Herr Felderer sei aus „sozialen Symmetriegründen“ für Vermögenssteuern, aber persönlich dagegen.

Wahrscheinlich ist er persönlich für soziale Asymmetrie, aber vielleicht habe ich das falsch verstanden, selbst Erwin Ringel hat sich schwer getan, die österreichische Seele zu verstehen.

Interessant ist auch die Information im Standard: Dort interpretierte man Herrn Felderer so, dass die Regierung die „Spekulationsfrist bei Aktiengewinnen strecken oder streichen“ könne.

Man könnte aber auch die Regierung abschaffen und schaun, ob das irgendjemandem auffällt, außer den Journalisten. Das wäre mein Vorschlag als selbst gewählter Präsident von Kakanien.

Oder bei Tucholsky nachlesen:

„Freundlich schaun die Schwarzen und die Roten,
die sich früher feindlich oft bedrohten.
Jeder wartet, wer zuerst es wagt,
bis der eine zu dem andern sagt:

(Volles Orchester)

Schließen wir nen kleinen Kompromiß!
Davon hat man keine Kümmernis.
Einerseits — und andrerseits —
so ein Ding hat manchen Reiz …“

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