Die Kleinbürgerhochzeit

Lieber Klaus,
Du solltest mal in dieses Theater – das „Berliner Ensemble” –  gehen, damit Du weißt, warum die Wiener Theater so langweilig sind.

Ich habe heute die „Kleinbürgerhochzeit” gesehen — wunderbar! Diese Hochzeit wurde hier so frech und slapstickartig inszeniert, dass sicher alle Germanisten und Zahnärzte entsetzt sind.
Da bleibt kein Raum für gewichtiges Kopfschütteln und weh tut es auch nicht. Außer beim Lachen. Dazu kein erhobener Zeigefinger, keine politischen Hinweise in der Art: Achtung! Wir wollen etwas Bedeutendes sagen! Nichts “Tiefes” also, wie es manche so gern mögen. Vor allem die, die so gerne am Neusiedlersee Urlaub machen.

Nein, bloß ein enger Raum, in dem niemand an den anderen vorbeikommt, ohne sie sittlich oder unsittlich zu berühren. Das eine führt zu unangenehmem, das andere zu wohligem Entsetzen. Und irgendwie verschwinden die Unterschiede.

Dazu ein immer wieder kippendes Bühnenbild und dazu singt — als Höhepunkt für uns Ösis gleich am Anfang, präcox sozusagen — Freddy Quinn “La Paloma”.
Später leicht verjazzt, dann ein bisschen an „Gucha” erinnernd. Du weißt schon, der tolle Film mit der „Romeo und Julia”-Geschichte am Balkan. Und Trompeten, wie sie Jericho zusammenbrechen ließen.

Die Schauspieler spielen, was das Zeug hält. Die wollen bekanntlich auch nur eines sein:
Bürger wie Du und ich.

Kleinbürger also.
Wie schön, ihnen und uns dabei zuzusehen.

Schau Dir das an (Zitat nach Karl Farkas)
Dein Erich von Kakanien

 

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