Krank am Prenzlauer Berg

Einer der wunderbarsten Bezirke Berlins ist der „Prenzlauer Berg“. So lautet zumindest die Mär, also das Märchen. Die Gegend ist „hip“, wie das neuerdings heißt, früher nannte man es schlicht „in“, aber das Wort ist mittlerweile ziemlich „out“und in Wahrheit ist alles anders.

Aufmerksame Berlinbesucher stellen bald fest, dass Deutschlands Hauptstadt eine erstaunliche Apothekendichte aufweist. Alle 100 Meter findet sich eine dieser Gesundheitstankstellen. Das macht misstrauisch, allerdings nicht die Touristen, sie verlassen die Stadt ohnehin schnell und ohne gesundheitliche Schäden. Die Eingeborenen hingegen haben offenbar ihre Gründe dafür, dass die Anzahl der Lebensmittelhandlungen weit unter jener der Apotheken zu liegen scheint.

Gesundheitlich am bedürftigsten ist wohl der „Prenzlauer Berg“. Hier wimmelt es nicht nur von Apotheken, hier gibt es auch jede Menge Zusatzangebote, damit den Menschen ein einigermaßen lebenswerter Zustand ermöglicht wird.

 

Selbst die Krankenkassen bemühen sich, die Bevölkerung durch Angebote wie Physiotherapie und Osteopathie am Leben zu erhalten.

Auch ästhethisch gibt es Zustände, die nicht dem Zeitgeist entsprechen, wogegen zwar kein Kraut gewachsen ist, immerhin Behandlung. Spezialisten helfen, wo es geht.

Konservativen Menschen, denen Fettabsaugung zu sehr nach Technik klingt, stehen traditionelle Methoden zur Verfügung. Natürlich inklusive Badeschuhe und Handtücher, falls man die nicht ohnehin bei sich führt.

Wer ganzheitlichen Übungen gegenüber skeptisch ist, die/der kann sich selbstverständlich spezialisieren!

Kein Problem, selbst der Schmerz ist übertragbar, es muss nicht schlichtes Voodoo sein, nein, die „Methode Grinberg“ können alle Willigen erlernen. Avi Grinberg hat die berühmte „Grinberg Method“ erfunden und nur Bösmeinende nennen das die „Grinsberg-Methode“, weil der Mann immer grinsen muss, wenn ihm jemand glaubt, was er sagt.

Der Tagesspiegel berichtete, dass laut Grin(s)berg „die Füße der Spiegel der Seele sind“. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer dem Preis für den Vortrag: € 80,00. So viel muss einem die eigene Fußsohle, also die Seele, schon wert sein.

Selbstverständlich gibt es noch weitere Angebote im kränksten Bezirk der Stadt, in der Radfahrer das Kopfsteinpflaster der Straße meiden, weil sie Kopfschmerzen bekommen, was schon der Name des Straßenbelags nahelegt. Darum fahren sie lieber am Gehsteig, was die Fußgänger ungern zur Kenntnis nehmen, was aber im Sinne der allgemeinen Gesundung toleriert wird.

Vielleicht helfen ja die weiteren Angebote.

Und wenn das alles nichts hilft, ein letzter Trost:
„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Friedrich Hölderlin, Deutscher Poet

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