Was derzeit geschieht

Oder: EU-Wahlen made in Austria. Wenn ein Mann, der seinerzeit einen satirischen Film über den Beobachtungswahn per Videokameras für die Wahrheit hielt, ins EU-Parlament gewählt werden will, spricht er so:„Neben der Wirtschaft will ich mich auch um Medienpolitik kümmern.“ Dort hat er viel zu lernen, zum Beispiel, dass eine Satire nicht die Realität ist.

„Ich habe das von Experten screenen lassen, auch meine Kundenliste. Da gibt es keine Inkompatibilität.“ Der Mann ist nämlich Eigentümer eines Coaching-Unternehmens und irgendwie an Bord eines Immobilienkonzerns namens Signa.

„Die Leute haben genug von Politikern, die außer Dirty Campaigning nichts zu sagen haben.“ So lautet die Antwort auf den Hinweis, dass der Mann bei Postenbesetzungen in seinem Ministerium interveniert hat.

[Alle Zitate aus einem Interview mit Ernst Strasser im trend 5/2009]

Kein Wunder, dass es ein Personenkomitee für den Listenzweiten dieser seltsamen Partei gibt.

Bei Hatschi Strache, dem Reservehaider der FPÖ, hingegen ist alles klar: die Schuld an seiner Bubendummheit trägt der Islam, schließlich ist Europa nicht mehr in Christenhand. Kein Wunder, dass es bei seinem Vortrag in Innsbruck heute blitzt und donnert, denn die Muslime haben Allah darum gebeten. Der Papst ist gerade nicht da und so endet der Vortrag im Regen.

Ein Skandal der Sonderklasse! Und wem haben wir den Segen zu verdanken? Dem Untergang des Abendlands.

Die Sozialdemokraten, denen die Sozialisten abhanden gekommen sind, begeistern den kargen Rest der Wählerschaft mit einem Hannes, der sein Temperament durch eine rote Brille zeigen darf. So keck wie sie wünschten sich alle Sozis den Kerl insgesamt.

Man wird ja noch träumen dürfen.

Das BZÖ hat seinen ehemaligen FPÖ-Dobermann per Photoshop so geglättet, dass keine Narbe seine energische (linke!) Wange stört. Der Mann ist kompromisslos ehrlich – eine schwere Drohung.

Und die Grünen?
Die haben Monsignore Voggenhuber vergrämt und dürfen auf maximal ein Mandat hoffen. Lassen zumindest seine Hoheit Voggenhuber vernehmen.

Mit ihm wären es locker drei Mandate geworden. Schließlich hat die neue Spitzenkadidatin keine Ahnung von der EU, während seine Hoheit himself so gnädig war, vor etlichen Jahren eine unerfahren Frau namens Mercedes Echerer in das EU-Parlament einzuführen.

Das hat der Mann von seinem Feminismus!

Vielleicht gibt es noch ein Plätzchen auf der Liste des BZÖ? Irgendwie ist der Katholizismus des Herrn Stadler doch auch ökologisch.

Zumindest im katholisch-wehrhaften Sinn.

Nebenbemerkung:
Der österreichische Finanzminister ist „partiell gesprächsbereit“.

No immerhin. Aber worum geht es eigentlich?
Um „pädagogisch ausgebildete“ Menschen. Die dürfen nämlich von entsprechend vornehmen, also wohlhabenden Eltern in Zukunft steuerlich abgesetzt werden.

Die Ersparnis beträgt bis zum höchsten Steuersatz, mit anderen Worten: je reicher, desto gut. Und wer sich kein „pädagogisch gebildetes Personal“ halten kann, hat auch nichts von der steuerlichen Erleichterung.

Und wie wird man (in Wahrheit überwiegend frau) pädagogisch gebildet?
Mit einem achtstündigen Kurs.

Kein Witz, sondern ein Vorschlag des Finanzministers.

Das lässt die Frauenministerin (SPÖ) nicht schweigen, sie hat einen radikalen Vorschlag:
mehr als 20 Stunden (!) für alle über 28 Jahre!

Die älteren Menschen brauchen nach ihrer Ansicht nur acht – sie haben bekanntlich die heutige Generation zu dem gemacht, was sie ist.

Super!

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