Die saubere Sprache

Sauberkeit gefordert!

Je verwirrender die Welt, desto größer der Wunsch nach Ordnung.
Dieser Sehnsucht kann sich auch die Sprache nicht entziehen und daher versucht man allerorten, sie sauber zu halten, politisch korrekt.

Wenn schon die sozialen Verhältnisse ungerecht sind, sollen wenigstens die Wörter Gerechtigkeit vorspiegeln. Neueste Errungenschaft der Sprachreiniger/innen ist die Eliminierung des Wortes „Neger“ – auch aus alten Büchern wie „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ von Mark Twain.

Mein österreichischer Lieblingssender Ö1 berichtete davon in einer Sendung über „political correctness“. Dort sprach man das böse Wort sicherheitshalber nicht aus, sondern erwähnte immer das so genannte „N-Wort“. Klar, es war damit „Neger“ gemeint, aber anscheinend hielt man es für angebracht, das Böse in die Schranken zu weisen, indem man es nicht aussprach.

Sigmund Freud hätte seine Freude gehabt an dieser Art der Verdrängung! Getreu dem Motto „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“ wird die Oberfläche (der Sprache) geputzt in der Hoffnung, dass sich daraufhin der Inhalt ändert.

Die Methode erinnert an die Werbung, in der Nahrungsmittel von „Foodstylisten“ auf Fotos und Videos schmackhaft dargestellt werden, während auf dem Teller schließlich unansehnliche Gegenstände landen, die entfernte í„hnlichkeit mit Nudeln, Pizzen oder Saucen aufweisen.

Das Balkanschnitzel

Stolz wurde in diesem Zusammenhang gemeldet, dass die Stadt Hannover das „Zigeunerschnitzel“ durch das „Balkanschnitzel“ ersetzt hat.

Ein Erfolg gegen Diskriminierung!
Oder?
Seltsamerweise werden „Roma und Sinti“, wie „Zigeuner“ heute genannt werden, aus EU-Staaten in ihre „Heimatländer“ — in diesem Zusammenhang natürlich nur ironisch zu verstehen — geschickt.

Und was macht André Heller nun mit seinem Lied „A Zigeuner möcht’ i sein?“ Umtexten in „Ein Roma oder Sinti möchte’ ich sein“? Versmäßig wird das problematisch. Aber auch sonst.

Das „Zigeunerschnitzel“ ist ein Leckerbissen und niemand nimmt an, dass auf dem Teller ein Zigeuner, pardon: Roma oder Sinti landet. Allen ist klar, dass es sich um eine köstliche Speise handelt, die mit Paprika zu tun hat und mit der Sehnsucht nach einem „Zigeunerleben“.

Nichts Böses, eher verwerflich im Sinne eines bürgerlichen Lebens.

Nun wird, vorerst in Hannover, das „Zigeunerschnitzel“ zu einem „Balkanschnitzel“. Ist das nicht eine Diskriminierung des Balkans?

Der beginnt laut Metternich am Rennweg in Wien und mit ihm wird kaum etwas Positives in Verbindung gebracht. Der Balkan ist korrupt, hinterlistig und eine riesige Problemzone.

Es würde mich nicht wundern, wenn demnächst die Botschafter von Kroatien und Serbien bei den Sprechreiniger/innen Protest erheben gegen die Diskriminierung durch das „Balkanschnitzel“.