Leipzig: Museum für Druckkunst

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Werkstatt-Museum für Druckkunst

Ein Museum, in dem alle ausgestellten Objekte funktionsfähig sind – und auch benutzt werden.

Das „Werkstatt-Museum für Druckkunst“ in Plagwitz ist ein faszinierender Ort für Theorie und Praxis. Auch deshalb, weil die Mitarbeiter mit viel Gefühl bei der Sache sind.

 

 

Achtung! Ein Besucher

Ungefähr so muss der Befehl lauten, der ausgegeben wurde, als wir den ersten Raum betraten. Allerdings flüchten die Mitarbeiter nicht nach Wiener-Caféhaus-Tradition vor uns, sondern der Experte für Gießerei wendet sich erfreut an uns.

Ob er helfen könne?

Aber gerne – und es wird uns geholfen!

Nahezu euphorisch zeigt uns der Mann die Entwicklung der Buchstaben (=Lettern), wie die ersten produziert wurden und die Druckkunst im Laufe der Zeit immer schneller wurde, immer mehr produziert werden konnte.

Und wie der Buchdruck die gesellschaftliche Entwicklung vorantrieb.

Von einer „Glaubensgesellschaft“, in der katholische Bischöfe in unverständlichem Latein von einem strafenden Gott predigten, hin zu einer verständlichen Bibel und in der Folge zu einem Zeitalter der Aufklärung – die heute leider eher vernachlässigt wird.

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Vermutlich Gutenberg mit Kunden und Gehilfen

 

Self printing

So muss das im Denglischen wohl heißen, wenn man selbst zu drucken beginnt. Unsere Ergebnisse fielen noch bescheiden aus, wir konnten aber nur vorhandene Vorlagen mit ein wenig Kraft auf Papier drucken, im wahrsten Sinn des Wortes.

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Self Printing

Wer mehr können will, kann einen der Workshops besuchen, siehe die Website des Museums.

 

Schneller, schneller

Im Stockwerk darüber freute sich der nächste Mitarbeiter darauf, uns seine Maschine zu zeigen, auf der er selbst tatsächlich noch für die Leipziger Volkszeitung gearbeitet hatte.

Die faszinierende Maschine vom Typ Linotype erzeugt Buchstabenzeilen in Blei. Herr Müller tippte elegant einen Satz auf einer schreibmaschinenähnlichen Tastatur, der riesige Apparat goss in acht Sekunden eine Zeile, die für den Satzspiegel geeignet war.

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Selbst drucken

Gegenüber den vorherigen Maschinen verachtfachte sich die Geschwindigkeit.

Bald kamen neue Technologien wie Fotosatz und Digitaldruck, Arbeitsplätze im Druckbereich wurden zu einem Großteil abgeschafft.

Herr Müller hatte Glück: Er fand im Museum einen neuen Arbeitsplatz und traf dort auf seine alte Maschine, mit der er jahrelang gearbeitet hatte.

Ein schöner Zufall, findet Herr Müller und gibt uns als Andenken noch eine Zeile aus Blei mit auf den Weg.

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