Der Papst hat’s leicht

Österreich siegte vor kurzem.

Gegen Liechtenstein, knapp und unverdient, aber immerhin mit 2:1 — kein Wunder, schließlich konnte Italien auch erst Weltmeister werden, als Berlusconi abgewählt und Prodi Kanzler war. Bei uns ist noch Mister Schüssel, Kanzler von Gottes Gnaden, an der Macht, also kein Sieg gegen ungefähr gleich große Nationen. Wir können dennoch guter Hoffnung sein: Gusenbauer wartet und Österreich darauf, mit ihm Europameister zu werden!

Der Papst hat’s da leichter, er schafft an und die Hölle einfach ab. Vorerst nicht für die Österreicherinnen und Österreicher, obwohl die unverschuldet an den Nachwahlkrämpfen leidern, sondern bloß für die ungetauften Kinder. Die mussten bisher in die Vorhölle, was immer das ist.

Die Wege des (katholischen) Christentums sind ja genauso merkwürdig wie die anderer Religionen. Daher wundert es niemanden, dass ungetaufte Kinder nicht in den Himmel kommen. Aber damit soll nun Schluss sein. Genug gelitten, liebe ungetauften Kinder, ihr dürft ab ins Paradies. Naja, nicht so direkt, aber immerhin nicht in die Vorhölle. Sagt der Papst, und der muss es wissen.

Schlechter haben es die Menschen erwischt, die vor Jesus Geburt auf der Welt waren. Sie müssen weiterhin in der Vorhölle schmoren, weil sie das Sakrament der Taufe nicht erwischen konnten. Klar, es gab die Sakramente noch nicht und wie soll man etwas kriegen, was es nicht gibt? Das ist selbst in der heutigen, sehr fortgeschrittenen Konsumgesellschaft nahezu unmöglich. Und erst damals!

Wahrscheinlich ist es die Sünde der frühen Geburt, im Gegensatz zur Gnade der späten, wie schon der deutsche Kanzler Kohl sagte. Die muss bestraft werden, auf Teufel komm raus. Pardon: auf Vatikan komm raus.

Der schlafende Zwerg

Mindestens so rätselhaft wie die Wege des Katholizismus sind jene des ORF. Zeit im Bild heißt eine Sendung, die früher Informationen auf die Fernsehschirme brachte. Am Freitag — es war der 6. Oktober — gab es beispielsweise Berichte über eine neue Krebsimpfung, das Wetter, Charlie Chaplin und des Bundespräsidenten Besuch beim Papst.

War da nicht noch etwas?

Genau: Wahlen! Und angeblich eine Schlägerei der Verlierer. Und Entscheidungen über Österreichs Zukunft. Und was sagte die Zeit im Bild dazu?

Nichts.

Sie schwieg, wie der Bessere, der Kanzler, der vielleicht bald keiner ist. Naja, FPÖ-BZÖ und ÖVP gingen sich ja noch aus. Warum nicht? Dann bliebe der Kanzler der gleiche und alle kennten sich aus. Aber noch ist nichts gewiss, niemand weiß, welche Meinung gefragt, also die richtige ist.

Der gelernte Österreicher ist bekanntlich so vorsichtig wie die gelernte Österreicherin. Wer weiß, wer in die Regierung kommt. Solange das nicht klar ist, kann sich die Zeit im Bild nicht auf die richtige Seite schmeißen. Denn ORF heißt bekanntlich:

Österreichischer Regierungs Funk.

Deshalb wird es noch einige Zeit dauern, bis der ORF weiß, welche (Regierungs)Nachrichten er senden soll. Und darum übt er sich bis dahin in der Qualität des Noch-Kanzlers: des Schweigens.

Warum allerdings, frage ich mich, muss ich dafür auch noch zahlen? Für Nachrichten, die keine sind? Denn all den übrigen Unsinn sehe ich auf anderen Kanälen ebenso: Starmania, Armin Jauch, ein Fall für CSI und zwei.

Gratis. Und meistens besser.

Ihr ORF-Zwangsgebühren-Zahler
Erich Ledersberger

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