Bärlin wehlt!

Nur noch wenige Tage bis zur Wahl in Berlin, die Spannung steigt unaufhörlich. Davon merkt man in der deutschen Hauptstadt nichts, dabei ist hier alles so bunt wie auf einem Bild von Hundertwasser.

22 Parteien stellen sich der Wahl, darunter so interessante wie die „Bergpartei“, die „Partei Mensch Umwelt Tierschutz“ oder die „Piratenpartei Deutschland“. Letztere wird aller Voraussicht nach den Einzug in das Berliner Abgeordnetenhaus schaffen.

 

Inhaltlich ist diese Partei digital orientiert, also zwischen Nullen und Einsern schwankend, keineswegs chaotisch, wie das mancherorts genannt wird. Rein formal, also designmäßig, hält sie sich an die Vorgaben der Stadt: Bärlin ist nicht schön, aber sexy, meinte der amtierende Bürgermeister einmal. Oder so ähnlich.

Daher sehen die Wahlplakate aus wie viele Gebäude der Stadt, manchmal sogar wie der Alexanderplatz, wo man aus Rache auf die alte DDR offensichtlich besonderen Wert auf architektonischen Schrecken legt: hässlich bis zum Abwinken, wie man hier sagt. Dennoch kommen immer mehr Touristen hierher, um die Berliner Luft zu genießen. Die hat, behauptet ein Schlager aus früheren Zeiten, einen besonderen Duft. Das stimmt, aber der Duft kann nicht den Reiz dieser Stadt ausmachen.

Vielleicht sind es die Grünen? Die schicken, neben anderen Bewerberinnen, eine Art Harry Potter ins Rennen.

Leider ist aus dem Kampf um den Bürgermeistersessel nichts geworden. Er sollte ein Bürgermeisterinsessel werden, doch Renate Künast hat das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und Grünen bereits vor der Wahl verloren. Woran das genau lag ist mittlerweile ein Gesprächsthema, aber es nützt nichts mehr: Vielleicht hätte man woanders rangehen sollen und nicht damit drohen, dass Frau Künast entweder Bürgermeisterin wird oder andernfalls nicht in Berlin bleiben will?

Die FDP ist in den letzten Tagen jedenfalls energischer „rangegangen“ und hat einen radikalen Schwenk vollzogen: Von Steuersenkungen spricht sie nicht mehr, dafür vom Elend der fleißigen Deutschen, die nicht die Faulenzer im Süden unterstützen wollen.

Populismus statt Neo-Liberalismus, man hat eine neue Marktlücke entdeckt. Schließlich hat Deutschland (noch) keine Partei solchen Zuschnitts, die es auf mehr als Rechtsextremismus bringt. Die Arznei scheint zu wirken, möglicherweise schafft es die FDP doch, die 5-Prozent-Klausel in Berlin zu überspringen.

Wenn nicht, ist sie in guter Gesellschaft. Die DKP wird es vermutlich auch nicht schaffen.

Ebenso nicht wie das BIG, das „Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit“. Klingt gut, auch wenn der Slogan auf einem Wahlplakat manches Rätsel beinhaltet. Zumindest grammatikalisch.

Sollte es ursprünglich heißen:
„Vereine statt Spalten“? Aber um welche Art von Spalten handelt es sich? Um Orangenspalten? Zeitungsspalten?
Und wann hatte der ehemalige Präsident Rau Hassprediger in seinen Reihen? Man weiß es als unbescholtener Besucher nicht und geht seiner Wege.

Dort trifft man immer wieder auf die SPD, die es leichter hat. Sie kann sicher sein, dass auch der nächste Bürgermeister Klaus Wowereit heißt, egal, wer auf dem Plakat stimmengewinnend lächelt.

Die CDU wehrt sich mit allem, was sie zur Verfügung hat, aber das scheint nicht wirklich viel zu sein. Wenn Angela Merkel nicht bald ein Machtwort spricht, wählt nicht einmal ein Viertel ihre Partei.

Dann muss Horst Seehofer ran und eine „CSU-Berlin“ gründen, damit endlich auch in der Hauptstadt es so forsch vorangeht wie in Bayern.

Die Linke wird es ebenfalls in das Abgeordnetenhaus schaffen. Sie hat mit Klaus Ernst zwar einen schweren Rucksack zu tragen, aber mit diesem Beistand – siehe Foto – kann nichts schief gehen.

Obwohl in Island die Spaßpartei „Beste Partei“ einen sensationellen Wahrerfolg hatte, scheint Berlin noch nicht so weit zu sein.

Die „Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands“, kurz APPD genannt, wird sich nicht ins Abgeordnetenhaus retten können, selbst wenn in ihrem Programm die Forderung nach „mehr und besserem Sex“ einen zentralen Stellenwert hat. Oder vielleicht genau deswegen?

Schließlich hatte es zum Thema „Penis und Penisverlängerung“ eine höchst amüsante Diskussion in der taz gegeben.

Aber davon ist bei den Berlinwahlen längst keine Rede mehr. Hier ist nur mehr spannend, wer die Plätze hinter Klaus Wowereit belegt. Und das ist gut so. Oder?

2 Gedanken zu „Bärlin wehlt!

  1. Kakanien Beitragsautor

    Stimmt, das war ein Fehler! Aber irgendwann habe ich aufgehört zu fotografieren. 22 Parteien mit unterschiedlichen Plakaten waren mir doch zu viel…

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