Tu felix Austria!

Ein neues Jahr beginnt

Du, glückliches Österreich, heirate! So lautete der imperialistische Leitsatz der Habsburger, der über Generationen erfolgreich umgesetzt wurde. Erst die Erfindung einer seltsamen Staatsform namens „Demokratie“ unterbrach die Erfolgsgeschichte der Schweizer Adelsfamilie, die sich epidemisch über Europa ausgebreitet hatte und sogar Filialen in Mexiko, Burgund, Flandern und anderen Ländern unterhielt.

Der österreichische Zweig benötigte allerdings Hilfe aus Frankreich, um nicht im 18. Jahrhundert unvermutet auszusterben. Herzog Franz Stephan von Lothringen stieg in den Ehe-Ring und tatsächlich verhalf er Maria Theresia zu 16 Kindern. Sein Herzogtum Lothringen musste er zwar gegen die Toskana tauschen, aber dort ist das Klima bekanntlich mild und das Essen auch nicht schlecht.

Warum erzähle ich das? Weil es erklärt, warum Nikolausi Pelinka Büroleiter beim ORF-Alleineigentümer Wrabetz wird. Nicht bloß deshalb, weil der „Niko“ dem Habsburger „Philipp IV. im Harnisch“ so ähnlich sieht, wie Hans Rauscher im Standard vermutete.

Nein, es geht um eine Fortsetzung und Erneuerung des oben angeführten Kolonialisierungsmottos in neuem Gewand, die Experten nennen das „Relaunch“. Die Zeiten haben sich geändert, mit Heiratspolitik im katholischen Sinn geht nichts mehr. Der moderne Mensch lebt in und durch „Beziehungen“, deusches Fachwort „Vernetzung“, denglisch „networking“.

Der Niko hat zum Beispiel einen Originalpapa, der bei einer großen  Zeitung arbeitet und außerdem noch irgendeine ORF-Sendung monotoniert. Da kann der Sohnemann für den Anfang schon mal in einem Ministerium anheuern, etwa als 21-jähriger Pressesprecher, schließlich hat er ein Beinahe-Studium in Krems abgeschlossen. Praktischerweise bei einem Herrn Filzmaier, der wiederum nebenbei beim ORF tätig ist und in Wahlzeiten kurzatmig die politische Situation Österreichs erklärt. Früher war der Mann an der Universität Innsbruck tätig, übrigens zur gleichen Zeit wie Anton Pelinka, der Onkel vom Niko. Aber das sind alles Zufälle, wie sie im Leben häufig vorkommen. Bei dem einen häufiger als beim anderen und Anton Pelinka kann schließlich nichts für seinen Neffen.

Neben der Familie ist es jedenfalls gut, auch noch eine Erweiterung zu haben, eine Art „Patchwork-Familie“. Gut geeignet ist dafür eine politische Partei, die gerade nicht in Opposition ist. Dort wäscht eine Hand die andere, alle Beteiligten baden gemeinsam in Unschuld und weil niemand innerhalb der Beziehung dem anderen tut, was der nicht will, das man ihm tut, geht alles locker vom Hocker. Wer das für die alte „Freunderlwirtschaft“ hält oder gar für „Nepotismus“, der verachtet eigentlich die Demokratie. Meint zumindest ein gewisser Herr Ostermayer von der SPÖ und kennzeichnet damit den Zustand einer Partei, die früher noch so etwas wie politische Inhalte und sogar ein Gewissen nötig hatte.

Längst passé diese Zeiten. Es geht um die Rückkehr zu alten Werten – aber in moderner Form! Heutzutage muss nicht mehr geheiratet werden, es genügen Freundschaften. Man „liked“ sich und ist solidarisch zueinander.
Laura Rudasch und Niko Pelinka: Ist das nicht eine gute Nachricht? Ihr müsst nicht heiraten! Alles paletti. Finanzierung aller Posten ist durch Gebührenerhöhung gesichert.

Auf ein schönes 2012!

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