Neues aus den Alpen

Die Bildungspolemiker

Die Hüter überkommener Privilegien sammeln sich. Sie anerkennen keine Fakten, sondern polemisieren gegen jegliche Bildungsreform. Im „Echo am Freitag“ enthielt sich ein AHS-Lehrer (und Landesvorsitzender der AHS-Gewerkschaft) wieder einmal jeglicher Argumente und empörte sich über Hannes Androsch. Der hatte, gemeinsam mit anderen, ein Bildungsvolksbegehren eingeleitet. Dort wird auch die gemeinsame Schule für alle 10- bis 14-jährigen gefordert. Das will die Gewerkschaft der AHS-Lehrer unbedingt verhindern.

Und so grummelt einer ihrer Funktionäre über die Steuerhinterziehung von Hannes Androsch, was zwar nichts mit dem Volksbegehren zu tun hat, aber Stimmung schafft. Denn in Wirklichkeit, so der Mann, ist diese Forderung Unsinn, denn „Österreichs Jugend ist topqualifiziert“. Schließlich hat Österreich eine geringe Jugendarbeitslosigkeit. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, bleibt rätselhaft, schließlich werden die ungefähr 30 % 15-jährigen, die kaum lesen können, schwer einen Arbeitsplatz finden. Ein befreundeter Unternehmer weiß jedenfalls nichts von „topqualifizierten Jugendlichen“. Er sucht nach wie vor Lehrlinge und war sogar bereit, mit ihnen Prozentrechnung zu üben. Als Unternehmer, nicht als Lehrer!

Auch sonst scheint der AHS-Vertreter entweder keine Ahnung von wissenschaftlichen Untersuchungen zu haben — oder er verschweigt sein Wissen. Deutschland als Beispiel für ein Bildungssystem mit Gesamtschule zu nennen ist kurios. Dort gibt es nämlich keine Gesamtschule. Die ist nämlich, wie der Name andeutet, eine gemeinsame Schule für alle Jugendlichen.

Und irgendwie kennt der Mann seine eigene Partei nicht, sonst würde er nicht behaupten, dass dieses Volksbegehren nicht unabhängig ist: Schließlich ist Bernd Schilcher — er unterstützt das Bildungsvolksbegehren – ÖVP-Mitglied, die steirische ÖVP für die Gesamtschule, genauso wie die Industriellenvereinigung und der Bauernbund.

Alles „sozialistische Gesinnungspolitik“? Hoffentlich weiß die Industriellenvereinigung, dass sie eine sozialistische Organisation ist.

Männer weinen

Das haben wir nun vom Feminismus! Immer häufiger weinen ausgewachsene Männer vor eingeschalteten Kameras. Ein österreichischer Radfahrer ging voran und erklärte weinend, warum er gedopt hat. Es folgten mehrere Fußballer aus Deutschland, denen die Tränen über die Wangen flossen, weil sie ihren Verein verlassen mussten. Die neuen Arbeitgeber zahlen eben ein paar Millionen mehr, was den Schmerz gerade noch erträglich macht.

„Die Welt ist ein Palast voller Verhängnisse“, schrieb Schopenhauer. Dabei kannte er die Welt des Profisports noch gar nicht. Und auch mein Mitgefühl ist diesen Männern sicher! Ich habe aus Solidarität gleich mitgeweint.

Griechenland muss Kärnten werden!

Erwin Pröll, bis vor einigen Monaten noch Vizekanzler und wegen Erkrankung zurückgetreten, ist wieder gesund. Das sagt einiges aus über den Job eines ÖVP-Vorsitzenden, aber darum geht es heute nicht.

Pröll wies bei einem Untersuchungsausschuss darauf hin, dass die Hypo Kärnten vom Staat gerettet werden musste, weil sonst ein Staatsbankrott gefolgt wäre. Kärnten habe Haftung für 20 Milliarden Euro übernommen, was im Falle eines Konkurses die Kündigung von 6.000 Mitarbeitern und den Verlust der Sparguthaben bedeutet hätte.

Woraus wir lernen können: Staatsbankrott ist ganz, ganz schlecht, deshalb müssen wir auch Griechenland retten. Davon haben zwar die meisten Menschen in Griechenland nicht viel, aber die Banken sind fein raus. Und weil österreichische Banken auch in Griechenland investiert haben, sind damit wiederum unsere Sparguthaben gerettet — wenn wir welche haben.

Stadt Innsbruck informiert

Nein, damit ist diesmal nicht die vorzügliche Zeitschrift gemeint, die Monat für Monat in den Briefkästen landet und bunte Bilder der Politikerinnen und Politiker ins Haus bringt. Es gibt nämlich auch noch eine Website der Stadt, mehr schon ein Portal, wie der Titel verspricht.

Weil Werbeagenturen auch von etwas leben müssen, steht auf der Eingangsseite nicht schlicht Innsbruck, sondern INNS’BRUCK. Diese originelle Formulierung — frisch, frech, innovativ oder so — benötigte sicher einen monatelangen Gedankensturm (= brainstorming). Aber nun ist das Werk vollbracht und INNS’BRUCK ist, dank eines Apostrophs, modern wie nie zuvor.

Auf dieser Seite kann man per E-Mail Kontakt herstellen, vom kleinen Bürger zur großen Stadtverwaltung sozusagen. Das habe ich getan und blitzschnell eine Antwort bekommen.

„Das ist eine automatisch generierte Empfangsbestaetigung durch das E-Mailsystem der Stadt Innsbruck.

Ihr E-Mail wird zur Bearbeitung an die zustaendige Sachbearbeiterin bzw. den zustaendigen Sachbearbeiter weitergeleitet.“

Ein toller Service! Allerdings hatte ich nach zehn Monaten noch immer keine Antwort erhalten und fragte nach:

„Nachdem das Mail in der Zwischenzeit die zuständige Sachbearbeiterin bzw. den zuständigen Sachbearbeiter hoffentlich erreicht hat, ich aber noch keine Antwort erhalten habe, erlaube ich mir, meine Anfrage zu wiederholen.“

Sekunden (!) später die Antwort: Man werde das Mail weiterleiten, Text siehe oben. Seither sind wieder ein paar Wochen vergangen. Das macht nichts, denn die EDV funktioniert bestens. Vielleicht bekomme ich irgendwann, in ein paar Jahren, sogar eine Antwort auf meine Anfrage. „Gottes Mühlen mahlen langsam“, heißt es. Und wer darf schon schneller sein als Er? Und vielleicht liest ja jemand vom „Portal Inns’bruck“ diese Zeilen und antwortet noch schneller als Gottes Mühlen mahlen? Wie hieß es in einem Lied? „Wunder gibt es immer wieder, wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehn.“

Einen schönen Sommer noch!

Ein Gedanke zu „Neues aus den Alpen

  1. Reinhard

    Der AHS-Vetreter heißt wohl W.M.? Er wär schön blöd, würde er dem Volksbegehren zustimmen, schließlich hat er’s ja an seiner Schule eh gaaanz fein und danach vielleicht dann doch nimmer sooo fein 🙂
    Und alles tät sich ja auch ändern… und das ist prinzipiell gaaanz schlecht!

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