Nachrichten aus der Provinz

Wiener Kirche vor Nordkette

Am Ende des Faschings kommt der Aschermittwoch und der soll ja irgendwie mit Einsicht zu tun haben, mit Buße, gar mit Reinigung, schließlich war Asche lange Zeit ein Reinigungsmittel wie früher Seife. Heutzutage nennt sich das Reinigungscreme und kommt aus der Flasche. Irgendwie sollte die Asche auch an die Vergänglichkeit des Menschen erinnern, aber das haben manche Politiker vergessen und reden sich am Aschermittwoch in eine Art Rausch, in dem alles erlaubt ist, vor allem das planlose Hinhauen auf den politischen Gegner. Besonders beliebt ist diese Art des politischen Bierzeltes in Bayern. Da konnte die österreichische Politik nicht abseits stehen und warf sich ebenfalls in die Schlacht der dummen Argumente. Wer den Villacher Fasching, ausgestrahlt vom Bildungs-ORF, aushält, dem ist alles zumutbar.

Und damit einmal auch ein einfacher Wähler zu Wort kommt, hier meine kleine Aschermittwochrede, ganz ohne Alkohol geschrieben, auch wenn das angesichts der herrschenden Zustände schwer fällt.

Liebe Freundinnen und Freunde!
Viele von uns haben leider vergessen, dass die Demokratie ein ungeheurer Fortschritt war und ist. Nach katholischer Ständediktatur und Naziherrschaft atmeten viele Menschen auf: Die Demokratie wurde zwar nicht selbst erkämpft, aber irgendwie gefiel die Idee, dass Menschen nicht von anderen beherrscht werden sollen, bloß weil diese in irgendeiner adeligen Familie geboren oder per Geburtsort oder „Rasse“ Herrenmenschen waren, auch in Österreich. Es entwickelten sich sogar zarte Blüten wie Bürgerinitiativen, Volksbegehren, gar Volksabstimmungen. Österreich war auf einem guten Weg!

Die Betonung liegt auf „war“, denn die derzeitigen Zustände lassen Schlimmes befürchten!
Nachdem eine Art Lichtgestalt die österreichische Politbühne betreten hatte – lang, lang ist’s her – und das Land aus der Provinz herausführen wollte, verfiel es bald danach wieder dem Schrebergartendasein. Die Lichtgestalt hieß Kreisky, war Jude und wurde DENNOCH Bundekanzler der Republik.

DENNOCH muss betont werden, denn noch heute wundern sich viele, wie ein Jude – der sich übrigens immer als Agnostiker bezeichnete – in der Alpen-Zwetschken-Republik Bundeskanzler werden konnte.
War es ein Versehen?
Eine schicksalshafte Fügung?
Oder bloß ein Irrtum?

Niemand weiß die Antwort, aber alle wissen, wie es weiterging mit der hiesigen Demokratie und der Transparenz.

Liegen deshalb Österreichs Jugendliche an der europäischen Spitze, was Alkohol- und Nikotinkonsum anlangt?
Und sind sie deshalb, aus Verzweiflung sozusagen, im PISA-Test weit abgeschlagen?
Und was bedeutet das alles für die Demokratie, die doch bewusste, gebildete Menschen voraussetzt?

So genau wollen wir es gar nicht wissen – und genau das ist das Problem dieses Staates.

Deshalb hat er nämlich den ORF.
Übersetzt nennt sich das „Österreichischer Rundfunk Fernsehen“ und der wird aus Steuergeld finanziert.
Weil er der Demokratie dienen soll, hat er auch ein eigenes Gesetz, das ihn dazu verpflichtet, die Bildung zu fördern. Darum wiederum überträgt er den Villacher Fasching.
Wer das für kontraproduktiv hält, hat recht, aber das nützt ihm oder ihr nichts. Sie und er zahlen weiterhin Gebühren, weil das Gesetz es so verlangt.

Das ist so demokratisch wie die Tatsache, dass in Tirol ein Landesfinanzrat eine EXTREM billige Wohnung bewohnt. So lange jedenfalls, bis das öffentlich wird.
Dann wird der Finanzlandesrat entlassen?

Aber bitte! Das wäre doch inhuman, gar unchristlich!
Der Mann darf bleiben, schließlich kommt sein Name auch im Bereich Telekom vor.

Telekom ist jenes Unternehmen, das als „Volksaktie“ dazu dienen sollte, das Volk für Aktien gefügig zu machen. Der Markt ist nämlich super und ganz lieb zu seinen Teilnehmern.
(Und Teilnehmerinnen, denn der Markt ist emanzipiert. Ihm ist egal, woher das Geld kommt.)

Der Tiroler Finanzlandesrat bewohnte nicht nur eine äußerst günstige Wohnung, dessen Eigentümer der Geschäftsführer eines Unternehmens ist, das zufrieden ist, wenn sein Mieter, der Herr Landesfinanzrat, ihm gewogen ist. Schließlich ist das Unternehmen in jenem Bereich tätig, in dem der Herr Landesfinanzrat „demokratische“ Entscheidungen fällt.

Nein, der Herr Landesfinanzrat geht auch gerne auf Jagd. Zum Beispiel auf eine des Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly.
(Dessen Name kommt übrigens in den Medien beinahe so oft vor wie der von Heinzi Grasser-Swarovski.)

Jedenfalls: Damals war Switak noch Kabinettschef beim damaligen Innenminister Günther Platter. Also unschuldig, denn im Zweifelsfalle sind in Österreich alle Politiker und -innen unschuldig.

Damit unsere Rede kurz und bündig ist:
Nicht nur Österreich ist Provinz, sondern auch Tirol. Das kleine Bundesland hat österreichweit das geringste Einkommen und die größten Lebenshaltungskosten.

Wenn das kein Erfolg für die nächsten Wahlen in Innsbruck ist – was dann?

Frohes Fasten!

 

 

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